Tief im Medienkonverter-Archiv schlummern Veröffentlichungen, die besser dort geblieben wären – und solche, die nach 25 Jahren noch immer erstaunlich lebendig nach dem Türgriff greifen. „Für Immer“ von 'Haus Arafna' gehört eindeutig zur Kategorie Türgriff. Die 7"-EP erschien bereits 2000, unser damaliger Review folgte dann aber erst im Juni 2001. 25 Jahre später öffnen wir deshalb noch einmal das Archiv, ziehen vorsichtshalber frische Gummihandschuhe an und prüfen, ob diese kleine Platte noch immer dieselben Beklemmungen verursacht. Kurze Antwort: Ja, sie ist nicht freundlicher geworden.
Wer bei „Für Immer“ an Rosenblätter, Hochzeitstorte und ewige Treue denkt, kennt 'Haus Arafna' ohnehin schlecht. Auf den vermeintlich romantischen Titel folgen „Amputation Cures“, „No Right To Live“ und „Rebels Have No King“. Selten ist eine Beziehung innerhalb von vier Liedern gründlicher eskaliert. Andere Paare benötigen dafür mehrere Jahre, zwei Anwälte und eine erbitterte Diskussion über den gemeinsamen Thermomix. Veröffentlicht wurde das emotionale Schlachtfest über Galakthorrö in einer Auflage von 1.690 handnummerierten Exemplaren. Die 7" steckte in einem Klappcover mit bedruckter Innenhülle und versiegelter Schnur. Selbst musikalisches Unheil kam damals noch in liebevoller Handarbeit. Als unser Review erschien, ließen sich noch vereinzelt neue Exemplare aufspüren. Inzwischen ist die Platte längst vergriffen – bei 'Haus Arafna' war selbst die Ewigkeit streng limitiert und vermutlich schon ausverkauft, bevor jemand das Wort „FOMO“ erfunden hatte.
Musikalisch zeigte sich das Duo auf „Für Immer“ kontrollierter als auf früheren Veröffentlichungen. Statt die Hörerschaft mit brachialen Beats direkt durch die Rigipswand zu treiben, setzte die EP hier auf monotones Pulsieren, kalte Flächen und Stimmen aus einem Nebenraum, dessen Tür vernünftige Menschen abgeschlossen und anschließend zugemauert hätten. Galakthorrö bezeichnet diese eigentümliche Mischung als „Angst-Pop“ – halb Genrebezeichnung, halb psychiatrischer Befund nach dem dritten Durchlauf. Damals wurde tatsächlich diskutiert, ob 'Haus Arafna' ruhiger oder sogar „poppig“ geworden seien. Rückblickend ist das ungefähr so treffsicher, wie einen schlecht beleuchteten Operationssaal zum Wellnessbereich zu erklären, weil dort ein Handtuch liegt. Galakthorrö zählt „Für Immer“ inzwischen selbst zu den Clubhits des Duos. Für eine Polonaise eignet sich das Stück trotzdem nur, wenn sämtliche Gäste zuvor schriftlich auf psychische Unversehrtheit verzichtet haben.
Der Titel sollte erstaunlich recht behalten. Die ursprüngliche Singlefassung von „Für Immer“ wanderte 2003 auf „The Singles 1993–2000“, während eine etwas kürzere Version auf dem Album „Butterfly“ landete. Auch 'Haus Arafna' selbst sind weiterhin aktiv: Auf die Single „The Spring Heals“ von 2025 folgte im August 2026 gemeinsam mit 'Karl Runau' die Archivveröffentlichung „Mangfall“. Deren Aufnahmen entstanden bereits 1994 im Keller von Runaus Elternhaus – selbstverständlich während die Eltern nicht da waren. Manche Ewigkeiten funktionieren also tatsächlich. Und manchmal stehen sie nicht nur bildlich im dunklen Keller, sondern wurden dort vor 32 Jahren auf einem Vierspurgerät aufgenommen. Eltern haften bekanntlich für ihre Kinder.
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