Haus Arafna - Für Immer

Haus Arafna - Für Immer

Diese Rezension kommt hoffentlich noch rechtzeitig für alle, die sich bislang kein Exemplar von „Für immer“ sichern konnten. Denn selbstverständlich ist auch diese Veröffentlichung aus dem Hause Arafna limitiert. Alles andere wäre schließlich verdächtig kundenfreundlich. In einigen wenigen Online-Katalogen lässt sich die Single derzeit noch aufspüren – die Lage ist also ernst, aber noch nicht hoffnungslos. Natürlich ist „Für immer“ nicht das seit Längerem ersehnte neue Album. Dafür fällt die Single erstaunlich gehaltvoll aus. Vier Stücke, die nicht wie hastig zusammengefegtes Restmaterial wirken, sondern ein kleines, geschlossenes Werk ergeben. Eines, das sich langsam im Raum ausbreitet, die Temperatur um ein paar Grad senkt und anschließend so tut, als sei es nie dagewesen.

Schon der Titeltrack bringt alles mit, was man an Haus Arafna schätzt oder – je nach persönlicher Belastbarkeit – fürchtet. Düsteres elektronisches Brodeln quillt aus den Lautsprechern, während ein nervöser, aufwühlender Rhythmus den Hörer in Bewegung hält. Darüber liegt dieser unterschwellige Gesang, der weniger wie eine klassische Stimme als vielmehr wie eine Botschaft aus einem schlecht beleuchteten Nebenraum wirkt. Man versteht schnell: „Für immer“ ist hier kein romantisches Versprechen bei Kerzenschein. Eher klingt es nach einer Drohung, die jemand mit bemerkenswert ruhiger Stimme ausspricht. Der typische Arafna-Sound ist sofort erkennbar, präsentiert sich diesmal jedoch kontrollierter und zurückgenommener. Genau daran entzündete sich offenbar die Diskussion, ob Haus Arafna ruhiger geworden seien oder womöglich sogar vorsichtig in Richtung Pop schielen. Für mich bleiben solche Mutmaßungen reichlich abenteuerlich. Wer in diesen vier Stücken ernsthaft den bevorstehenden Angriff auf die Hitparaden vermutet, dürfte auch einen Stromausfall für eine stimmungsvolle Lichtinstallation halten.

Richtig ist: Die Single verzichtet weitgehend auf jene brachialen Beats, mit denen andere Vertreter der düsteren Elektronik ihre Hörerschaft gerne gegen die Zimmerwand tackern. Doch Härte entsteht nicht ausschließlich durch Lautstärke oder Geschwindigkeit. „Für immer“ arbeitet subtiler. Die Bedrohung liegt im monotonen Pulsieren, in den kalten Flächen, den schief im Raum stehenden Geräuschen und einer Atmosphäre, die jederzeit zu kippen droht. Das ist nicht sanft, sondern lediglich anders grausam. Ohnehin waren Haus Arafna nie eine Band, deren Musik sich bequem in eine einzige Schublade legen ließ. Stücke wie „Amputation Cures“, „No Right to Live“ oder „Rebels Have No King“ besitzen jeweils eine ganz eigene Handschrift und zeigen, wie unterschiedlich das Projekt seine verstörende Wirkung entfalten kann. Mal geschieht das mit körperlicher Wucht, mal mit stoischer Kälte und manchmal genügt ein einziger Ton, um aus dem heimischen Wohnzimmer einen geistigen Luftschutzkeller zu machen.

Auch die drei weiteren Stücke der Single setzen weniger auf offene Konfrontation als auf schleichendes Unbehagen. Unter den Oberflächen arbeitet es unaufhörlich: Rhythmen stolpern voran, elektronische Strukturen flackern wie defekte Neonröhren und Stimmen tauchen auf, ohne jemals etwas Beruhigendes beizutragen. Gerade diese Konsequenz macht „Für immer“ so wirkungsvoll. Die Platte will nicht gefallen, sie will sich festsetzen. Und darin ist sie erschreckend erfolgreich. Trotz der vergleichsweise gemäßigten Gangart ist die Single deshalb keineswegs harmlos oder gar „poppig“ geworden. Haus Arafna benötigen keine Dauerbeschallung mit Presslufthammer-Beats, um eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Im Gegenteil: Gerade die Leerstellen, die verlangsamten Bewegungen und die kontrollierte Zurückhaltung lassen die vier Stücke noch unmittelbarer wirken. Es ist die musikalische Variante eines langen Blicks, bei dem man irgendwann nicht mehr weiß, wer zuerst wegsehen sollte.

„Für immer“ eignet sich damit nur bedingt als entspannte Begleitung vor dem Einschlafen. Es sei denn, man möchte um drei Uhr morgens wach im Bett liegen und darüber nachdenken, ob das leise Geräusch im Flur schon vorher da war. Als kompakte Dosis dunkler Elektronik funktioniert die Single dagegen hervorragend. Sie ist atmosphärisch dicht, unverkennbar Haus Arafna und gerade deshalb spannend, weil sie nicht einfach auf bewährte Härte setzt. Überzeugte Arafna-Anhänger dürften ihr Exemplar ohnehin längst im Regal stehen haben. Allen anderen bleibt nur der Rat, nicht mehr allzu lange zu überlegen. Noch ist „Für immer“ vereinzelt erhältlich. Bei einer limitierten Veröffentlichung kann sich dieses „für immer“ allerdings erstaunlich schnell in ein „leider vergriffen“ verwandeln.

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