Manche Erinnerungen beginnen mit drei Schritten vor und drei Schritten zurück. Für Stefan Ackermann und Bruno Kramm war dieser Grufti-Tanz in einer Bayreuther Diskothek Teil einer Freundschaft, aus der später 'Das Ich' entstand. Nach Kramms Tod hat Anna Schwarz auf Facebook einen sehr persönlichen Abschiedstext veröffentlicht, der ihrer Angabe zufolge von Stefan Ackermann stammt. Da er selbst keine sozialen Medien nutze, habe er sie ausdrücklich gebeten, seine Worte auf diesem Weg zu teilen.
Wir jedenfalls können nicht unabhängig überprüfen, ob der veröffentlichte Text tatsächlich von Stefan Ackermann stammt. Auf Grundlage der Angaben im Beitrag gehen wir derzeit aber davon aus und geben seine Erinnerungen unter diesem Vorbehalt wieder. Über Bruno Kramms Tod nach einem Konzert in Granada hatten wir bereits berichtet. Ackermann schildert nun, dass er selbst versucht habe, seinen Freund mit einer Herzdruckmassage zu retten. Die unmittelbare Erfahrung des Verlusts habe ihn erstarren lassen. Seine Zeilen erklären, warum er Zeit brauchte, um öffentlich Worte dafür zu finden.
Dann führt seine Erinnerung zurück ins Jahr 1986: Eine gemeinsame Bekannte brachte die beiden zusammen. Ackermann erzählt von seltenen dunklen Songs kurz vor Diskoschluss und seinem ersten Besuch bei Familie Kramm. Dort standen ein Klavier und eine Nähmaschine, mit der Bruno seine eigenen Mäntel und Hosen fertigte. Etwa ein halbes Jahr später bat er Stefan, einen Text zu seiner Musik zu schreiben. Besonders aufhorchen lässt die Geschichte hinter „Gottes Tod“: Nach Ackermanns Schilderung entstand der Text nach dem Ende seiner Beziehung. Hinter dem Titel steckte demnach ein Klagelied auf die verlorene Liebe. Auch „Kain und Abel“ bekommt eine überraschend alltägliche Entstehungsgeschichte: Die Idee für den Refrain sei Kramm beim Lesen eines Asterix-Hefts auf der Toilette gekommen.
Durch all diese Erinnerungen zieht sich Ackermanns Dankbarkeit für einen Menschen, der ihn förderte, forderte und im Studio nie aufgab. Er beschreibt Kramm als jemanden, der das Licht in anderen erkannte und nach dem Schalter suchte, um es anzumachen. Zum Abschied wünscht er seinem Freund, weiterzuleuchten – wo auch immer er sich nun befinde. Und er dankt den Fans für ihre Treue über all die vielen Jahre.