Freunde Der Italienischen Oper: Elf neue Stücke gegen gepflegte Langeweile

Freunde Der Italienischen Oper: Elf...

Wer bei 'Freunde Der Italienischen Oper' an Operngläser, Samtsessel und diskretes Hüsteln denkt, dürfte spätestens beim ersten Kontakt mit ihrer Bandgeschichte nervös nach dem Ausgang suchen. Die Dresdner Formation trägt seit Jahrzehnten Postpunk, dunkle Klangwelten und großes Theater zusammen – gepflegte Zurückhaltung stand dabei selten auf dem Spielplan. Seit dem 3. Oktober 2026 ist ihr neues Album „Angelus Luminis“ erhältlich. Elf neue Stücke, und mit René Pape ist da doch tatsächlich ein Opernstar zu Gast. Der Bandname verpflichtet offenbar doch.

1987 in Dresden gegründet, bewegte sich die Band schon früh zwischen Untergrund und Hochkultur. Ihr erster Auftritt 1988 in Cottbus war noch illegal; wenig später engagierte Regisseur Wolfgang Engel die Gruppe für seine „Faust“-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden. Sänger Ray van Zeschau übernahm die Rolle des Euphorion. Vom unerlaubten Konzert zu Goethe: Die Bewerbung hätte man gern gelesen. Diese Lust auf Grenzgänge prägt auch die musikalische Identität der Opernfreunde: Postpunk, Dark Wave, Indierock und Chanson Noir treffen auf markanten Tenorgesang, während ihre Bühnenauftritte Musik, Theater und Film zusammenführen. „Angelus Luminis“ besteht ausschließlich aus neuen Kompositionen. Titel wie „Wir Schaffen Das“, „Die Rache Des Leiermannes“ und „Nur Nacken“ machen bereits neugierig. Bei dieser Programmfolge dürfte selbst die Garderobe Rückfragen haben.

Neben René Pape gehören Trompeter Jacob Maës und Gründungsmitglied Rainer A. Schmidt zu den Gästen. Produziert und gemischt hat Gitarrist Joey A. Vaising. Erhältlich ist das Album über Major Label auf CD und Vinyl sowie als Download. Über den Vorgänger „Kassandras Komplex“ haben wir bereits berichtet. Zwei Jahre später folgt nun neues Material für alle, die ihre dunkle Musik gern mit Pathos, schrägen Querverweisen und einer Portion Unberechenbarkeit mögen. „Angelus Luminis“ liefert einen guten Anlass, den Opernfreunden wieder die Ohren zu leihen. Das Opernglas darf zu Hause bleiben.

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