Tja, der Fortschritt hatte sich das vermutlich anders vorgestellt: blühende Städte, zufriedene Menschen, eine Zukunft mit ausreichend Parkplätzen. Bei 'Warrington-Runcorn New Town Development Plan' (was für ein Name) steht inzwischen eher die Frage im Raum, warum es aus dem Maschinenraum so bedrohlich rumpelt. Am 30. Oktober 2026 veröffentlicht Gordon Chapman-Fox sein siebtes Album „Industrial Growth“ über Castles In Space – und zieht die Schrauben seiner Elektronik deutlich fester an.

Hinter dem sperrigen Namen, der vermutlich auch eine komplette Stadtratssitzung beschäftigen könnte, steckt ein Soloprojekt über die britischen Planstädte der Nachkriegszeit: Aufbruchseuphorie, moderne Architektur und die Ernüchterung, wenn Zukunftsversprechen irgendwann Wartungsbedarf anmelden. Die bisherige Ambient-Prägung bekommt nun reichlich Verzerrung und Dissonanz verpasst. Chapman-Fox versteht die zunehmende Härte ausdrücklich als Reaktion auf die Gegenwart. Das Wachstum im Titel meint dabei keine erfreuliche Wirtschaftskurve, sondern etwas, das sich durch die Gesellschaft frisst. Der Standortbericht fällt entsprechend frostig aus.

Als Vorboten sind auf Bandcamp bereits „This Machine“ und „Heavy Industry“ verfügbar. Ersteres wird mit Industrial-Beats und weißem Rauschen als ziemlich unfreundlicher Türöffner angekündigt, während „Heavy Industry“ einen seltenen Lichtblick verspricht. Für weitere Kontraste sollen kosmische Elektronik in „Post Industrial Policy“ und das lärmverzerrte Finale „Industrial Unrest“ sorgen. Ein Großteil des Materials entstand als Auftragsarbeit für das Roadburn Festival 2025 und wurde anschließend weiterentwickelt. Die acht Albumstücke werden beim Bandcamp-Download um einen Remix von 'Tvam' sowie eine verbundene Fassung von „This Machine / The Wire“ ergänzt. Vinyl und CD sind ebenfalls vorgesehen, im verlinkten Label-Shop allerdings bereits als ausverkauft markiert. Digital lässt sich der industrielle Störfall weiterhin vorbestellen. Immerhin eine Infrastruktur, die funktioniert.