Bei 'Tony Iommi' reicht ein Gitarrenriff, und der freundlich beleuchtete Raum hat plötzlich einen verdächtig tiefen Keller. Der Mitbegründer von 'Black Sabbath' hat für solche baulichen Veränderungen schließlich jahrzehntelange Erfahrung. Auf seinem Soloalbum 'From The Dark' haut er die Riffs wieder mit einer Wucht heraus, die mich sofort begeistert. Besonders überzeugt mich dabei, wie viel Leben in dieser schweren Musik steckt: Bass, Schlagzeug und Gesang geben den mächtigen Gitarren genau den richtigen Rückhalt.
Das am 23. Oktober 2026 bei BMG Rights erschienene Album ist sein erstes Soloalbum seit 'Fused' von 2005. Die acht regulären Stücke entstanden mit Sänger und Mitautor 'Jørn Lande', Bassistin 'Becky Baldwin' und Schlagzeuger 'Karl Brazil'. Produziert haben 'Tony Iommi' und sein langjähriger Weggefährte 'Mike Exeter'. Der klare, druckvolle Klang lässt den Instrumenten Kontur und passt zur Ausrichtung: dramatischer Heavy Metal mit kräftigem Doom-Einschlag, stilistisch näher bei 'Heaven & Hell' als beim rauen Swing der frühen 'Black Sabbath'.
Die Gitarren drücken hier dann auch entsprechend tief und satt, ohne aber die Musik unter einer undurchsichtigen Klangmasse zu begraben. Die Riffs bekommen die erforderliche Zeit, sich festzusetzen; melodische Soli lockern ihre Wucht auf. Gerade dieser Wechsel gefällt mir sehr gut: Die Gitarre kann einerseits bedrohlich aufragen und im nächsten Moment eine sehnsüchtige Färbung annehmen. Dadurch bekommt das ganze eine Schwere auch eine emotionale Seite. Die Versuchung, lauter zu drehen, ist entsprechend groß. Der Nachbar darf seine Rezension später gern nachreichen.
Ausdrücklich hervorheben möchte ich 'Becky Baldwin' und 'Karl Brazil'. Der Bass verstärkt das Gewicht der Riffs bleibt dabei aber deutlich als eigene Stimme wahrnehmbar. Das Schlagzeug hält die langsamen Passagen in Bewegung und treibt die energischeren Abschnitte mit Nachdruck an. Beide sorgen dafür, dass diese Musik trotz ihrer Masse lebendig bleibt. Auch neben einer derart präsenten Gitarre lohnt es sich deshalb, genauer auf die Rhythmusgruppe zu hören. Atmosphärisch entsteht daraus ein reizvoller Wechsel zwischen Bedrohung und Erhabenheit. Die schleppenden Parts haben etwas Unheilvolles, lassen aber ebenso Raum für Melancholie. Wenn die Band anschließend Fahrt aufnimmt, weicht diese lastende Stimmung einer kraftvollen Entschlossenheit. Die Tempowechsel geben den rund 42 Minuten einen guten Fluss: Man kann sich in die düsteren Passagen hineinziehen lassen, ohne dass das Album auf Dauer schwerfällig wird.
'Jørn Lande' trifft mit seinem kraftvollen, rau gefärbten Gesang den passenden Ton. Er setzt den Gitarren große Melodiebögen entgegen und verstärkt die Dramatik, ohne die Songs mit stimmlichen Kraftproben zu überladen. Die Nähe zu 'Ronnie James Dio' ist deutlich. Mir gefällt besonders, wie er Härte und Gefühl verbindet. Seine Präsenz macht die schweren Arrangements zugänglich. Überraschende Stilbrüche sollte man allerdings ebenso wenig erwarten wie einen Verzicht auf Metal-Pathos. Manche Wendungen sind vertraut. Mich stört das hier wenig: Entscheidend ist für mich, wie gut die Riffs greifen und wie souverän die Band zwischen schleppender Schwere und energischem Vorwärtsdrang wechselt. Als Einstieg empfiehlt sich 'World Alone': kompakt, energisch und mit genau dem Gitarrenschub, der neugierig auf den Rest macht.
Auch optisch bleibt 'From The Dark' seiner düsteren Linie treu. Das gezeigte Artwork setzt auf ein leuchtend rotes Kreuz vor schwarzem Hintergrund, gefüllt mit kleinteiligen Illustrationen und kunstvoll eingearbeiteten Songtiteln. Aus der Ferne wirkt es plakativ, aus der Nähe gibt es einiges zu entdecken. Für die Frühlingsdeko wird das schwierig, zur Musik passt es hervorragend. Bei den Formaten gibt es reichlich Auswahl: CD, Deluxe-CD, Doppel-LP, Musikkassette und digitale Ausgabe. Die Vinylfassung läuft mit 45 Umdrehungen pro Minute und erscheint auch in verschiedenen Farbvarianten, darunter weiß-schwarz marmoriert. Die Deluxe-CD bietet ein 32-seitiges Mediabook und ergänzt das reguläre Album um die Instrumentals 'Scent Of Dark' und eine verlängerte Fassung von 'Deified'. Bei der Doppel-LP und ausgewählten CD-Ausgaben sorgt zudem ein ausgestanztes Kreuz in der Hülle für einen Blick auf das darunterliegende Motiv. Tony Iommi
'From The Dark' ist für mich eine klare Empfehlung für Freunde von düsterem Heavy Metal und melodischem Doom. Die Riffs bleiben hängen, Bass und Schlagzeug verleihen ihnen Bewegung, und der Gesang bringt neben Kraft auch Gefühl hinein. Das macht diese Platte so erfreulich: Sie hat Gewicht, aber auch Ausdruck. Der Keller darf bleiben. Da kommt jetzt die Anlage rein.
Tony Iommi - From The Dark
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- Autor
- Norbert
- Kategorien
- ReviewsRock / Metal / Punk
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