Bei 'The Pixel Rain' möchte man vorsichtshalber nachsehen, ob das wirklich das Debütalbum ist. Diese Sicherheit im Songwriting, diese Melodien, diese Produktion – irgendwo müssen doch noch drei verschwiegene Vorgängeralben herumliegen. Doch 'A Sense Of Danger' ist tatsächlich der erste Langspieler des Londoner Projekts. Und einer, der mich ziemlich unvermittelt erwischt hat. Kurz reinhören wollte ich. Inzwischen läuft das Ding schon wieder von vorne. Hinter 'The Pixel Rain' steckt der aus Ungarn stammende Sänger und Multiinstrumentalist 'Áron Siegler'. Er gründete das Projekt 2022 und veröffentlichte 2023 eine erste EP. Seine musikalische Vorgeschichte führt zum Film: Als Animator und Animationsregisseur komponierte er zunächst für eigene Arbeiten, bevor daraus eigenständige Songs wurden. Geschrieben und aufgenommen wird weiterhin überwiegend allein; beim Mix und Mastering unterstützen ihn Weggefährten in Ungarn. Ein Debütalbum also, dem bereits einige Jahre kreativer Arbeit vorausgehen. 'A Sense Of Danger' verbindet Gothic-Atmosphäre, Post-Punk-Gitarren und vielschichtige Synthesizer mit einem ausgesprochen sicheren Gespür für Synthpop. Pulsierende Basslinien geben den Songs Bewegung, die Gitarren setzen rauere Akzente, während die Elektronik zwischen flächiger Stimmung und prägnanten melodischen Figuren vermittelt. Die einzelnen Elemente greifen so selbstverständlich ineinander, dass man sich beim Hören kaum mit Genregrenzen beschäftigt. Man ist längst mittendrin. Besonders begeistert mich der Gesang. 'Siegler' klingt leicht rauchig, zugleich klar und melodisch; stellenweise erinnert mich seine Stimmfarbe an 'Dennis Ostermann' von 'In Strict Confidence'. Diese dezente Rauheit passt wunderbar zur dunkleren Klangwelt. Für mich sitzt hier jede Gesangsmelodie: Nichts wirkt schief, verkrampft oder gegen die Instrumentierung angesungen. Stimme und Arrangement tragen einander. Das gibt den Songs Charakter und macht sie unmittelbar zugänglich, ohne ihre Atmosphäre abzuschleifen. Überhaupt sind die Melodien die große Stärke dieser Platte. Sie stecken in den Synthesizerfiguren, im Zusammenspiel mit den Gitarren und natürlich in den Gesangslinien. Hier wartet man selten darauf, dass endlich etwas passiert, das im Gedächtnis bleibt. Gleichzeitig bieten die geschichteten Synthesizer und das Wechselspiel mit den Gitarren genügend Details, denen man beim nächsten Durchlauf genauer folgen möchte. Die Tanzbarkeit entsteht dabei ebenso aus diesen melodischen Bewegungen wie aus den treibenden Rhythmen. Der Fuß ist jedenfalls längst beschäftigt, während der Kopf noch versucht, das alles sachlich einzuordnen. Dazu kommt eine astreine, saubere Produktion. Auch wenn die Arrangements dichter werden, behalten die verschiedenen Ebenen ihre Konturen. Die Basslinien treiben an, die Synthesizer können sich ausbreiten, und die Gitarren bekommen Platz für ihre Akzente. Druck und Transparenz passen hervorragend zusammen. Gerade für ein Debüt ist diese Qualität überraschend hoch – wobei ich hier auch bei einer etablierten Band begeistert wäre. Was mich besonders überzeugt, ist die Geschlossenheit des Albums. Zu Beginn packen die Songs vielleicht eine Spur energischer zu, später nehmen sie den Druck stellenweise leicht zurück. Das geschieht jedoch so behutsam, dass der Zusammenhang jederzeit erhalten bleibt. Für mein Empfinden bauen die Stücke aufeinander auf, führen Stimmungen weiter und ergeben ein rundes musikalisches Gesamtbild. Genau deshalb höre ich die Platte so gerne vollständig: Der nächste Song gehört einfach dazu. Einen Abschnitt, den ich beim erneuten Durchlauf lieber überspringen würde, finde ich hier nicht. Wer ausschließlich spröde Kälte oder kompromisslose Härte sucht, dürfte mit dieser melodischen Offenheit weniger anfangen können. Die stilistischen Zutaten sind vertraut; mich überzeugt ihre Umsetzung vollständig. Als Anspieltipp bietet sich 'Last' an: Prägnante Post-Punk-Gitarren, elektronische Atmosphäre und eine hymnische Melodieführung eröffnen einen passenden Zugang. Anschließend lohnt sich unbedingt das ganze Album. 'A Sense Of Danger' ist für mich ein überraschend souveränes Debüt, das dunkle Atmosphäre und große Eingängigkeit mit bemerkenswerter Leichtigkeit zusammenbringt. Wer Synthpop liebt und Gitarren im dunklen Club willkommen heißt, sollte 'The Pixel Rain' unbedingt kennenlernen. Mich haben sie voll erwischt. Die größte Gefahr dieses Albums? Dass aus einmal Durchhören ziemlich zuverlässig dreimal wird.