Pink Turns Blue - Black Swan

Pink Turns Blue - Black...

Der schwarze Schwan hat einen erstaunlich guten Basslauf. 'Pink Turns Blue' machen schon seit 1985 Musik für Menschen, die Melancholie gern in Bewegung hören. Vierzig Jahre später veröffentlicht die Band um 'Mic Jogwer' mit 'Black Swan' ihr zwölftes Studioalbum. Hinter dem Titel steckt dann auch eine spannende und hoffnungsvolle Idee: Vielleicht geschieht eines Tages etwas Unerwartetes, das die Dinge doch noch zum Besseren wendet. Ein großes Thema für elf Songs. Zum Glück versuchen 'Pink Turns Blue' nicht, die Welt in knapp fünfzig Minuten zu reparieren. Sie hören ihr erst einmal aufmerksam zu.

Die Band, die einst mit 'If Two Worlds Kiss' deutsche Wave-Geschichte mitschrieb, setzt hier den Weg von 'Tainted' fort. Der Klang ist sofort vertraut, und dennoch habe ich nicht das Gefühl, einer bloßen Wiederholung zuzuhören. Mich packt vor allem das Zusammenspiel der Instrumente: Der Bass gibt den Songs ihren Vorwärtsdrang, die Gitarren bringen Schärfe und schimmernde Melodien hinein, während die Synthesizer die Atmosphäre verdichten. Gerade diese Verbindung gefällt mir ausgesprochen gut. Die elektronischen Klänge geben den Gitarren Raum, und unter allem hält der Bass die Spannung aufrecht.

So entsteht der Widerspruch, der 'Black Swan' für mich besonders macht. Das Album klingt melancholisch, manchmal sogar bedrückt, aber nie kraftlos. Die Rhythmen ziehen weiter, während die Melodien noch an einem Gedanken hängen. 'Mic Jogwers' Gesang verstärkt diesen Eindruck: Er trägt die ernsten Zeilen mit Nachdruck, ohne ständig zum großen Drama auszuholen. Ich mag an dieser Musik, dass sie Traurigkeit zulässt und ihr zugleich einen Puls gibt. Man kann sich darin verlieren – und merkt irgendwann, dass der Fuß die ganze Zeit mitgewippt hat. Die Texte fragen, wie Menschen nach Enttäuschungen wieder zueinanderfinden können – und was geschieht, wenn sie stattdessen immer weiter auseinanderdriften. Das gilt für Beziehungen ebenso wie für eine Gesellschaft, in der jede Seite nur noch die eigene Stimme hört. Die Hoffnung des Albumtitels klingt dabei nicht nach einer einfachen Lösung. Sie steckt eher in der Weigerung, das Gespräch und den Wunsch nach Veränderung aufzugeben.

Bei aller Begeisterung hat der geschlossene Klang auch eine Grenze. Die elf Stücke bewegen sich häufig in einer ähnlichen Stimmung; ein überraschender Bruch oder eine rauere Kante hätte manchen Moment noch eindringlicher gemacht. Für mich überwiegt allerdings der Reiz, das Album am Stück zu hören. Seine Atmosphäre reißt nicht ab, und die Melodien bekommen Zeit, sich festzusetzen. Mein Anspieltipp ist 'Can't Do Without You'. Der Song verbindet die zugängliche Seite der Band mit dem ernsten Kern des Albums. Hinter seinem unmittelbaren Reiz steht eine Frage, die über eine einzelne Beziehung hinausgeht: Wie kommen wir miteinander aus, wenn uns immer mehr trennt?

Fazit: Wer gitarrengetragenen Post-Punk und Dark Wave mit eingängigen Melodien liebt, sollte 'Black Swan' hören. Für mich ist es ein starkes Album, weil 'Pink Turns Blue' ihre vertraute Klangsprache mit Gedanken füllen, die über den letzten Ton hinausreichen. Die Platte verspricht keinen Ausweg. Sie gibt der Suche danach einen verdammt guten Rhythmus.

Pink Turns Blue - Black Swan
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