"Einer Nacht Gewesenes" lautet der offizielle Titel des zweiten Adversus-Albums, das sich zur Zeit im Frankfurter Sonic-X-Studio mit Riesenschritten der Veröffentlichungsreife nähert. Die CD erscheint (ohne absolute Gewähr) Anfang Juni. Sicherlich ist es nicht übertrieben, wenn man mutmaßt, dass Adversus dem Erstling "Winter, so unsagbar Winter..." nicht nur gerecht werden, sondern diesen an Intensität und Musikalität zu übertreffen gedenken.
Man bietet alles auf, was die Fans vom Nachfolger des Debüts erwarten: treibende, komplexe, manchmal progressive Arrangements, wilde Tempowechsel, wunderschöne Melodiebögen, viel anspruchsvolle Lyrik und ein Hauch von Größenwahn.
Darüber hinaus findet sich auf dem neuen Album mehr von all dem, was die Hörer von Adversus so schätzen: mehr klassische Kompositionen, mehr Chöre, mehr Romantik, mehr von Rosendorns aggressivem Gekreisch, mehr Lyrik, mehr berauschende Höhen und abgründige Tiefen. Durch die konsequente Weiterentwicklung und die Einbindung der vollen Besetzung von acht Musikern entsteht der Eindruck, dass Adversus irgendwie neu und doch ganz nach Adversus klingen.
"Einer Nacht Gewesenes" ist, wie sein Vorgänger, ein Konzeptalbum mit einer in sich abgeschlossenen und dennoch offenen Geschichte geworden. In den typisch verqueren, entrückten und neo-klassizistisch anmutenden deutschsprachigen Versen erzählt das Werk diesmal von einer nächtlichen Begegnung. Die CD beginnt mit dem Abend und Endet mit dem Morgen. Exemplarisch an der hoffnungsvoll beginnenden und in der psychischen Katastrophe endenden Annäherung und Trennung der beiden Protagonisten analysiert Rosendorn die aus dem Zeitgeist und den Grundzügen der menschlichen Natur entwachsende Beziehungsunfähigkeit und die unüberwindbare innere Einsamkeit des menschlichen Wesens.
Ein kleiner Wehrmutstropfen für die Kenner der Band: Das 15-Minütige Märchen-Epos "Laya, oder die Ballade vom schwarzen Stein" hat es aus Platz- und Konzeptgründen nicht mehr aufs Album geschafft. Das Lied, welches der ein oder andere Fan von den Livekonzerten her kennen mag, wird jedoch zu einem späteren Zeitpunkt auf einem eigenen Tonträger veröffentlicht werden.