"Line Of Fire" ist das Erste, was wir von "Junip" seit ihrem Album "Fields" (2010) zu hören bekommen. Über einen entschleunigten Flamenco-Krautrock-Groove haucht José Gonzáles: “What would you do/If it all came back to you/Each crest of each wave/ bright as lightning/What would you say/If you had to leave today/Leave everything behind/Even though, for once, you’re shining“.
Hypnotisch zieht der Song Schleifen und den Hörer in seinen Bann. Klammheimlich lagern sich immer mehr Schichten übereinander bis nach zwei Minuten unvermittelt eine dicke Lage Streicher den erlösenden Refrain einleitet, nur damit der Song danach wieder in sich zusammenfallen kann um Platz zu haben für ein finales Crescendo. “It’s about growing up and taking responsibility in that moment when all of a sudden your life changes, you’re in a new situation,” sagt González. “Your ideals are challenged, and you have to think things through from a new angle.” Und am Ende ist es einfach mal der beste Song, der in diesem Jahr veröffentlicht werden wird.
Junip, das sind Elias Araya (Drums), José González (Guitar & Vocals) und Tobias Winterkorn (Keys). Die Band gründete sich bereits im Jahr 1998 in Göteborg, Schweden, aber es sollte bis zum Jahr 2010 dauern bis das gefeierte Debüt-Album "Fields" erschien. Diese Verzögerung resultierte größtenteils aus José’s internationalem Erfolg als Solo-Künstler, der sich inzwischen weltweit in Form von über einer Million verkaufter Platten manifestierte.
Als "Fields" 2010 erschien, wurde vor allem ein Detail ganz offensichtlich, José ist im „JUNIP Kontext“ nicht „José González Solo“. Statt reduzierter Miniaturen und Folk Ästhetik gab es bei JUNIP psychedelisch, expressionistische Landschaftsmalerei in Verbindung mit impulsiven Rhythmen und Krautrock Infusionen. Das sollte aber kein Hindernis sein, im Gegenteil, das Album stieg erst zum Geheimtipp und dann zur Konsensplatte auf. War die Band JUNIP jahrelang eher ein Phantom so endete dieses Schattendasein schlagartig. Wer das Glück hatte die Band bei einem ihrer Konzerte zu sehen, konnte mitverfolgen wie diese drei Männer auch auf der Bühne mehr und mehr zu einer Einheit verschmolzen. Wie auch "Fields", wurde das neue Album "Junip" über den Zeitraum von einem Jahr mit Unterstützung von Don Alsterberg (u.a. Sound-Guru bei Soundtrack of Our Lives) im Proberaum der Band aufgenommen. "Junip", das Album, besteht aus genau zehn Songs, an denen unerbittlich gefeilt und gearbeitet wurde. Zehn Songs heißt auch: es gibt keine Outtakes, Bonus-Tracks oder was auch immer, die Band hat dieses monolithische Album geschaffen und gedenkt dem nichts hinzuzufügen. Vollkommen zurecht, JUNIP darf das, nein, muss das sogar, denn es ist nahezu perfekt arrangiert und ausgewogen, es klingt homogen und ausgeklügelt, aber wirkt nie zu clean oder abgeklärt. Dabei deckt die Band inzwischen eine stilistische Bandbreite ab, die Ihresgleichen sucht: "We’re somewhere between a German jazz band and an African pop band". Ja, JUNIP sind vielleicht Musiknerds, aber sie sind - Gott sei Dank - keine Muckerband. Allein das musikalische Potenzial von JUNIP ist bemerkenswert, aber José González ist zudem ein begnadeter Lyriker, der die traurigsten Texte der Welt schreibt und ein Sänger, der es mit seiner Stimme dennoch schafft diese Texte in Worte des Trosts zu verwandeln.