Nun, der moderne Vampir schläft vermutlich recht schlecht. Nachts im Club, tagsüber am Handy und dazwischen immer auf der Suche nach dem nächsten kleinen Rausch: Für HMLTD ist der Blutsauger aber eine passende Figur für eine Gegenwart, die vom Konsum kaum noch loskommt. Auf ihrem dritten Album „Fangs“, das am 23. Oktober 2026 bei Lucky Number erschienen ist, verbinden die Londoner diese Idee mit einer elektronischen Neuausrichtung.
Nach der Rockoper „The Worm“ von 2023 wechseln HMLTD dafür das Werkzeug. Laut Bandkonzept treten Ableton, durchgehende Dance-Beats und Rave-Synthesizer an die Stelle von Orchester und Gospelchor. Als Bezugspunkte nennt das Quartett unter anderem DAF, Nitzer Ebb, Fad Gadget, Suicide und Bauhaus, daneben Crystal Castles und den Bloghouse von Justice. Die selbst vergebenen Etiketten „Götherdammerüng“ und „ÜberGöth“ machen schon einmal deutlich: An mangelndem Sendungsbewusstsein wird dieses Projekt wohl kaum scheitern.
Entstanden ist das Album unter anderem in einem verfallenen Château im Loiretal. Dort beschäftigten sich Henry Spychalski, Duc Peterman sowie die neu hinzugekommenen Mitglieder Theo Spark und Andrei Martynchyk mit Vampirmythen und den elektronischen Wurzeln der Band. Das Bild vom rastlosen Untoten dient dabei als Kommentar zu einer Konsumkultur, in der auf jedes befriedigte Verlangen sofort das nächste folgt. Selbst auf der Tanzfläche steht die Frage im Raum, wie viel Gemeinschaft zwischen Selbstdarstellung und endlosem Nachschub noch übrig bleibt.
Elf Stücke umfasst „Fangs. Zu den vorab veröffentlichten Songs gehören „Blitzkrieg“, „I Used To Ride In Limousines“ und „Umami“; beim abschließenden „Sorry For Laughing“ wirken die französischen Goths Corpus Delicti mit. Zum Albumstart erschien außerdem ein Video zum Opener „What The Hell“. Wer die neue Inkarnation der Band live erleben möchte, hat am Samstag, 7. November 2026, beim Arise Festival in den Berliner COOP Studios Gelegenheit dazu. Laut Veranstaltungsankündigung gehören HMLTD zum Clubprogramm, das ab 23 Uhr beginnt. Den Knoblauch kann man zu Hause lassen. Für die Rückfahrt dürfte ein Blick auf den Nachtfahrplan nützlicher sein.
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