'Fontaines D.C.' machen es einem auf 'Dopamine Chamber' erstaunlich leicht, sich mit düsteren Stimmungen anzufreunden. Die Melodien bleiben hängen, die Stimme von 'Grian Chatten' zieht einen hinein – und die gute Laune darf draußen auf die Jacken aufpassen. Auf ihrem fünften Studioalbum verbindet die irische Band elektronisch gefärbten Rock mit hymnischem Pop. Das Ergebnis begeistert mich: Gerade wenn diese Musik ruhig wird, entfaltet sie eine Anziehungskraft, der ich mich nur schwer entziehen kann.

Seit dem Debüt 'Dogrel' von 2019 haben sich 'Fontaines D.C.' weit über ihre anfängliche Post-Punk-Ausrichtung hinausbewegt. Der Vorgänger 'Romance' öffnete 2024 bereits die Tür zu einem größer angelegten Sound. Das am 16. Oktober 2026 über XL Recordings veröffentlichte 'Dopamine Chamber' führt diesen Weg mit elf Stücken und Produzent 'James Ford' weiter. Die Gitarren teilen sich ihren Platz zunehmend mit Synthesizern und elektronischen Rhythmuselementen. Diese Öffnung tut der Band ausgesprochen gut.
'Dopamine Chamber' erscheint digital, als CD, auf Kassette sowie auf schwarzem oder blauem Vinyl. Für Sammler gibt es außerdem eine Deluxe-Doppel-LP mit 45 Umdrehungen pro Minute, Gatefold-Hülle und Poster; die Kassette wartet mit einem alternativen Artwork auf.

Der Albumtitel beschreibt die Idee eines musikalischen Raumes, der auf die Stimmung seiner Besucher einwirkt. Inhaltlich geht es um Vergnügen, Ablenkung und die Suche nach einem Ausweg aus einer bedrohlichen Gegenwart. Dass solche Themen in zugänglichen Popsongs verhandelt werden, funktioniert hier wunderbar. Die Musik besitzt selbst jene Verführungskraft, mit der sie sich beschäftigt: Man möchte in diese Welt hinein, auch wenn dort offenbar selten die Sonne scheint.

Einen großen Anteil daran hat 'Grian Chatten'. Sein Gesang klingt dunkel, einnehmend und hypnotisch. In den treibenderen Momenten gibt er der Bewegung eine düstere Färbung; in den zurückgenommenen Passagen begeistert mich die Klarheit seiner Stimme. Gerade dort kommt mir die Musik besonders nah. Die Verbindung aus elektronischem Antrieb, Rockelementen und melodischer Zugänglichkeit hat einen eigenen Sog. Bei aller Aufmerksamkeit für die Klanggestaltung bleiben die Songs das Entscheidende – und davon hat dieses Album wirklich starke im Gepäck.

Mein Anspieltipp ist 'Marianne'. Der ruhige Song besitzt etwas Hymnisches und bleibt mit seiner Melodie im Kopf. Für mich ist das ein großartiger Popsong: zurückhaltend, aber mit einer Wirkung, die weit über seine Spielzeit hinausreicht. Hier muss sich nichts lautstark nach vorne drängen. Die Melodie setzt sich fest, und plötzlich möchte man das Stück gleich noch einmal hören. Genau diese scheinbare Selbstverständlichkeit macht gutes Songwriting so reizvoll.

Noch zurückgenommener präsentiert sich 'Where Is Gone?'. 'Chattens' dunkle, klare Stimme trifft auf den weiblichen Gegenpart von 'Rosalía' – eine für mich hervorragende Besetzung. Das Zusammenspiel erinnert mich stellenweise an 'Nick Cave' und 'Kylie Minogue', ohne dass der Song deshalb wie eine Kopie wirkt. Die Stimmen ergänzen sich auf eine Weise, die den langsamen Popsong besonders eindringlich macht. Hier stimmt die Chemie. Der prominente Gastname wird schnell zweitrangig, weil das Duett musikalisch so überzeugend funktioniert.

'Dopamine Chamber' ist für mich ein richtig starkes Album und eine klare Empfehlung für alle, die dunklen Alternative Rock, New-Wave-Anklänge und zugänglichen Pop gerne zusammen erleben. 'Fontaines D.C.' verbinden eingängige Songs mit Atmosphäre und einer Stimme, die ihnen unverwechselbaren Ausdruck gibt. Besonders die ruhigeren Stücke haben es mir angetan: Sie lassen Raum für Melodien und das Zusammenspiel der Stimmen, ohne an Spannung zu verlieren. Ich höre hier eine Band, deren Entwicklung neugierig macht und deren Songs zugleich ganz unmittelbar begeistern. Ein Album, zu dem ich gerne zurückkehre.