Nachdem Nolongerhuman-Mastermind Clint Robertson mit "Antipathy" und "Depersonalization" für einigen Wirbel in der Electro-Industrial-Szene sorgen konnte, legt der Amerikaner nun den dritten Leckerbissen an unsere Ohren: "Withdrawal". Das Album offeriert zehn Tracks, welche die Hörerschaft dazu anregen, über die eigene Realität nachzudenken.

Viele Bands des Genres lassen sich durch Standard-Themen wie Krieg, Sex und Gewalt inspirieren. Nolongerhumans Herangehensweise ist eine weitaus persönlichere, es ist ein intensives Insichgehen.

Doch lassen wir am besten Clint mit eigenen Worten ausdrücken, was er beim Kreieren des Albums empfand: "Withdrawal" ist zutiefst persönlich. Das Album befasst sich mit meinen Erlebnissen der vergangenen Jahre, in denen ich durchs ganze Land zog um Frieden zu finden. Ich wollte meine Abhängigkeiten loswerden, das Leben aus einer anderen Perspektive sehen, Herausforderungen annehmen und besiegen anstatt sie zu vermeiden und vor ihnen zu flüchten. Es geht darum zu kämpfen, um derjenige zu werden, der man sein möchte, ohne Grenzen.

Zudem darum, diejenigen zu bekämpfen, die einen von den gewünschten Veränderungen abbringen wollen.

Das Konzept war simpel. Manchmal ist es erforderlich, sich zurückzuziehen, von allem und jedem, und in den Spiegel zu schauen. Entscheide, ob du magst, was bzw. wen du siehst, und falls nicht, lasse Änderungen unbedingt zu. Ich habe mich hinsichtlich meines Gesangs nicht zurückgehalten, es gibt kaum Allegorien, jeder Track bezieht sich direkt auf ein Erlebnis meinerseits, oder einer Person aus meinem Leben. Ich denke, das Sample im Opener "Stop.Listen.Think.Infest" drückt das Konzept am besten aus, es ist eine neue Vorstellung dessen, was Leute von mir erwarten können, und ich plane, von hier aus nur noch vorwärts zu gehen. Der generelle gedankliche Faden steht in Opposition zur Kultur von Kommerz, blindem Vertrauen, Korporatismus und Apathie. Die Idee ist, dass die wahre Kraft durch Individualität entsteht, und der einzige Weg dorthin führt durch das Zugeben von Fehlern, die man macht. Es geht darum, sich selbst zu (er)kennen, ganz gleich, wie erschreckend das auch sein kann.

Musikalisch serviert uns der Amerikaner einen sprudelnden Mix aus knackigen Beats, catchy Keyboard-Spiralen und einen eindringlichen Sinn für atmosphärische Dichte in Verbindung mit Gefahr verheißender Dunkelheit. Der vermehrte Einsatz von Vocal-Samples setzt das Album in einen historischen Kontext, es ist eine Rückbesinnung auf den 90er Electro-Industrial. Beim intensiven Hören des kompletten Albums stellt man fest, dass sowohl starkes Songwriting wie auch die Produktion ein kraftvolles Ergebnis liefern. Schönheit ist nicht unbedingt ein Wort, welches man mit harschem Electro assoziiert. Anders bei nolongerhuman, hat die Musik doch Seele und Emotionalität.

"Withdrawal" ist ein persönliches Werk, eine Reise, bei welcher man sich selbst findet, ohne davor zurückzuschrecken, vollkommen ehrlich zu sein. Das Album wird am 29.08.2014 über COP International/Alive scheinen.

Quelle: COP International · Weitere Informationen