Das geht ja schon gut los. Eigentlich hatten wir ja vor, frühestens am 1. Dezember die Stirn zu runzeln. Bei Tür 1, wenn sich eben herausstellt, dass darin nur ein Kugelschreiber mit Bandlogo liegt. Stattdessen runzeln wir jetzt schon, Anfang November, vor einem verschlossenen Karton. Aber mal langsam ganz der Reihe nach!
Was bisher geschah: Am Freitag haben wir den 'Rammstein'-Adventskalender 2026 für 170 Euro gekauft und angekündigt, ab dem 1. Dezember jede einzelne Tür zu öffnen und zu bewerten – liebevoll, giftig, natürlich ehrlich. Alles dazu steht ja schon in unserem Ankündigungsartikel. Am Samstag stand das Paket tatsächlich bereits bei uns vor der Türe. Der Shop meldete da auch schon „derzeit nicht verfügbar“. Sieht ganz nach ausverkauft aus, nach rund einem Tag. Glückwunsch an alle, die einen erwischt haben. Und an alle anderen: Ihr habt ja uns. :-)
Aber schon vor dem Auspacken gab es einen ersten heftigen Dämpfer. Der Versandkarton war, nun ja, sagen wir: pragmatisch verschlossen. Zwei Streifen Klebeband, schief aufgeklebt, verknittert und am Ende eingerollt, als hätte jemand beim Packen schon an Feierabend gedacht. Der Deckel saß auch nicht ganz bündig. Ob das mit dem Gewicht etwas zu tun hat, wissen wir nicht, und wir behaupten es auch nicht. Aber bei einem 170-Euro-Kalender hätten wir uns schon beim Versand etwas mehr Liebe gewünscht. Das Auge packt schließlich mit aus und ihr wisst ja, Liebe ist für alle da!
Und weil wir auch wirklich ganz gründliche Menschen sind und ein Adventskalender bis Dezember keine Geheimnisse preisgibt, haben wir das Einzige getan, was man eben mit einem verschlossenen Kalender anstellen kann: Wir haben ihn gewogen! Die Produktbeschreibung lässt dabei eigentlich recht wenig Spielraum. Dort steht „Gesamtgewicht: 2,3 kg“, direkt über den Maßen des Kalenders. Unsere Waage zeigte dann samt Versandkarton 2.271 Gramm. Aha! Ausgepackt, ohne Versandkarton: 1.959 Gramm. Nun mag mancher einwenden, Küchenwaagen seien launische Geräte. Stimmt. Deshalb haben wir uns benommen wie ein Eichamt mit zu viel Freizeit. Wir haben mehrfach gewogen (checkt gerne unsere unten angehängten Bilder & Videos). Wir haben dann noch Prüfgewichte raufgelegt, um zu checken ob die Waage richtig misst – sie misst richtig. Wir haben den Kalender einmal direkt auf die Waage gelegt und einmal mit einem Zwischenstück, damit sich die Last besser verteilt. Vor jeder Messung haben wir brav auf 0 Gramm zurückgesetzt. Das Ergebnis schwankte um ein bis zwei Gramm. Die fehlenden 341 Gramm erklärt das nicht. Es sei denn, die Waage hat ein persönliches Problem mit 'Rammstein'.
341 Gramm, das sind fast 15 Prozent. Das ist ungefähr ein Päckchen Butter plus eine Tafel Schokolade. Oder, in Rammstein-Adventskalender-Währung: grob ein Paar Socken. Und weil wir den Taschenrechner ohnehin schon in der Hand hatten, haben wir das Ganze in Euro umgerechnet. Bei 170 Euro für 2,3 Kilogramm kostet ein Gramm Kalender rund 7,4 Cent. Die fehlenden 341 Gramm sind damit rein rechnerisch gut 25 Euro wert. Legt man den angegebenen Warenwert von rund 300 Euro zugrunde, wären es sogar rund 44 Euro. Anders gerechnet: Der Kilopreis unseres Kalenders steigt von geplanten 73,91 Euro auf tatsächliche 86,78 Euro. Für Rinderfilet wäre das ein ordentlicher Kurs. Für Pappe eher nicht.
Apropos Kurs: Während wir noch mit der Küchenwaage ringen, ist der Kalender im Netz längst zum Spekulationsobjekt geworden. Bei eBay bietet ein 'gewerblicher Händler' ihn bereits für 295 Euro an, plus 7,69 Euro Versand, als Sofort-Kaufen. Sauber! Zehn Leute beobachten das Angebot schon. Das ist fast das Doppelte des Originalpreises, für genau das Modell, das gerade bei uns auf der Waage lag. Rechnet man mit unseren gemessenen 1.959 Gramm, kostet das Kilo Adventskalender dort gut 150 Euro. Immerhin: Die rund 300 Euro aus der Produktbeschreibung sind damit erreicht. Zumindest auf eBay. Verrückte Welt. Wer jetzt noch zuschlagen will, sollte vorher wenigstens die Küchenwaage bereitstellen.
Und genau hier sind wir ehrlich gesagt ein bisschen genervt. Nicht wegen der paar Gramm an sich. Sondern weil man bei 170 Euro eigentlich schon erwartet, dass da mal eher 100 Gramm zu viel drin sind als zu wenig. Ein Kalender in dieser Preisklasse darf großzügig sein, nicht knapp. Dass man sich bei so einem Produkt überhaupt über Gramm unterhalten muss, ist schade. Und, ehrlich gesagt, schon ein bisschen peinlich wie ich finde.
Fairerweise gibt es eine auffällige Spur: Mit Versandkarton landen wir fast punktgenau bei 2,3 Kilo. Entweder hat im Shop jemand das Paket statt des Kalenders gewogen – oder der Versandkarton gehört offiziell zum Lieferumfang. Dann wäre er quasi Tür 25. Ob im Inneren alles vollständig ist, wissen wir noch nicht - und wir behaupten es auch nicht. Geöffnet wird schließlich jede Tür erst an ihrem Tag. Deshalb haben wir freundlich per E-Mail beim Shop nachgefragt. Eine Antwort steht noch aus. Sobald sie da ist, lest ihr sie hier.
Kleine Randnotiz aber noch für Archivfreunde: Auch der Kalender 2025 wog laut Shop exakt 2,3 Kilo. Anderer Inhalt, anderes Jahr, aufs Gramm dasselbe Gewicht. Das ist entweder deutsche Präzisionsarbeit, ein erstaunlicher Zufall oder die hohe Kunst von Kopieren und Einfügen. Deshalb eine Bitte an euch: Wer den Kalender 2025 damals gewogen hat oder ihn noch ungeöffnet im Schrank stehen hat, möge bitte kurz die Küchenwaage bemühen und sich bei uns melden. War der auch schon zu leicht? Wir sammeln neben Informationen nämlich auch noch jedes Gramm.
Und wie geht es nun weiter? Wie angekündigt: Ab dem 1. Dezember öffnen wir jeden Tag eine Tür und sagen euch, was drin ist und was es taugt. Unser Kontostand-Zähler steht offiziell bei minus 170 Euro, naja gefühlt bei minus 195. Wir sind gespannt, ob hinter den 24 Türen noch weitere Überraschungen warten, die uns ein Stirnrunzeln ins Gesicht zaubern. Die Messlatte liegt jedenfalls schon bereit. Sie wiegt 341 Gramm.
Der Abend in Bildern
11 Fotos · 2 VideosDein Urteil