Kein Vorspiel, kein Geplänkel – Priest, die neue Single von Darkvolt, geht direkt auf die Zwölf. Kalte Beats, verzerrte Vocals und dieser elektronische Ernst, den man in Belgien einfach im Grundwasser zu haben scheint. Das Solo-Projekt von Frederik Strobbe vermischt Oldschool-EBM mit 90er-Industrial-Energie zu einem Track, der klingt, als hätten sich Front 242 und :Wumpscut im Beichtstuhl verabredet, um Gott mal ordentlich die Meinung zu sagen.

Die Single ist ab sofort via Bandcamp erhältlich und dürfte bei Fans klassischer Rhythmusgewalt und dystopischer Clubnächte gleichermaßen für verzückte Gesichter sorgen – auch wenn man die unter den Masken meist nicht sieht. Priest rollt mit massiven Basslines heran, bohrt sich mit sägenden Synths ins Gehör und schleift seine Message durch einen akustischen Exorzismus, bei dem der Club zur Kathedrale wird. Darkvolt stammt aus Belgien – und damit aus einem Land, das in der Welt der elektronischen Düstermusik so was wie das Canterbury der EBM ist. Statt aber nur Vergangenes zu zitieren, gelingt es dem Projekt, die Essenz der Ära neu zu gießen: schnörkellos, roh, mit dieser gewissen Kälte, die nicht emotionslos wirkt, sondern wie eine gezielte Ohrfeige aus dem Maschinenraum.

Wer sich noch erinnert, wie sich Industrial einst angefühlt hat – bevor alles glattproduziert und „festivalfreundlich“ wurde – dürfte hier eine kleine Offenbarung erleben. Priest ist keine Einladung zur Party, sondern ein akustisches Ritual. Und wie es sich für ein solches gehört, wird hier nicht gebeten, sondern befohlen. Amen.