Für unseren Rückblick gehen wir diesmal ins Kino. Der Film läuft allerdings im Keller. Im Studio des alten Helsingborger Kinos 'Röda Kvarn' nahmen 'Covenant' ihr Debüt 'Dreams Of A Cryotank' auf, das 1994 bei 'Memento Materia' erschien. Später richtete sich die Band im Nachbarraum ein eigenes Studio ein. Im selben Keller legten im Club 'TipTop' befreundete DJs Techno, House und Acid auf und gaben dem Trio Rückmeldung zu seiner Musik. Was damals auf dem Plattenteller lag, hört man dem Debüt an. 'Joakim Montelius' erinnert sich, dass die Band viel Gabber hörte und sich melodische Ideen beim Eurodance abschaute.

Angefangen hatte die Geschichte aber schon 1986 auf der Heimfahrt von einem Konzert von 'Front 242' in Malmö. Noch im Zug beschlossen ein paar Freunde, selbst Musik zu machen. Am nächsten Tag trafen sie sich laut 'Montelius' an der Tischtennisplatte im Keller der Eltern von 'Eskil Simonsson'. Anfang der Neunziger wurde aus den frühen Projekten das Trio mit 'Simonsson', 'Montelius' und 'Clas Nachmanson'. Ihr Beitrag zum Sampler 'Autumn Leaves' brachte ihnen 1992 das Angebot für ein Album ein. Dafür nahmen sie 'The Replicant' unter dem kürzeren Titel 'Replicant' neu auf.

'Simonsson' nennt das Stück die deutlichste Anspielung auf 'Blade Runner'. Zur Releaseparty des Samplers trat die Band bereits in Weltraumsamurai-Kostümen an, in denen es unter den Scheinwerfern fürchterlich heiß wurde. Ausgerechnet die Band mit dem Kryotank hatte ein Kühlungsproblem. Wie das mit Gabber und Eurodance zusammengeht, hört man an den Arrangements. Die Basssequenzen bleiben knapp und beharrlich, die Schläge kommen trocken, und zwischen ihnen zischt und scheppert es. Das hat die rhythmische Disziplin von EBM und die raue Oberfläche von Electro-Industrial. Über diesem Unterbau setzt sich dann eine kleine Synthesizermelodie fest, die man ein paar Minuten später immer noch im Kopf hat. Gerade weil das Arrangement oft so karg bleibt, fällt jede melodische Wendung auf.

Am besten gefällt mir, wie 'Eskil Simonsson' mit dieser Spannung umgeht. Seine tiefe Stimme behält ihre Ruhe, auch wenn die Elektronik um sie herum ordentlich schabt. Wenn der Bass stur weiterläuft und der Gesang darüber plötzlich melodischer wird, bekommt das Album eine Schwermut, die ich bei den späteren 'Covenant' sofort wiedererkenne. Allerdings trägt die Beharrlichkeit längst nicht jede Passage. Wo Bass und Percussion zu lange dasselbe Muster abarbeiten, wünsche ich mir irgendwann, dass sich im Arrangement wieder etwas bewegt.

Beim fast 26-minütigen Ambient-Ausflug 'Cryotank Expansion' geht die Band noch weiter. Das US-Zine Aiding & Abetting hörte darin 1997 eine besondere Stärke des Debüts. Ich mag die Idee, nach all den straffen Rhythmen die Geräusche und Flächen so lange für sich wirken zu lassen. Im Albumdurchlauf lässt mein Interesse dabei irgendwann nach. Auf der Picture-LP von 2012 endet das Album schon mit 'Speed'.

Anspieltipp ist 'Theremin' in der Albumfassung. Der Auftakt legt gleich mit Tempo los. Bei 1:33 kommen die scharfkantigen Synthesizermotive dazu, und 'Eskil Simonsson' setzt beinahe sprechend ein. Gerade der Kontrast zwischen seiner ruhigen Stimme und der treibenden Elektronik macht den Opener für mich zum besten Einstieg in die Platte. Für mich ist 'Dreams Of A Cryotank' damit ein starkes, stellenweise sperriges Debüt, das vor allem Fans von alter EBM und düsterem Electro etwas zu bieten hat. Wer die späteren 'Covenant' über ihre großen Melodien kennengelernt hat, kann hier hören, wie früh die Band ein Gespür dafür hatte. Ich mag die Platte heute gerade dann am liebsten, wenn es unter der Melodie noch ordentlich scheppert.