Wenn hier bei medienkonverter etwas stampft, dann ist meistens eine Maschine im Spiel. Diesmal reicht aber auch ein Kanadier mit Banjo. Ausgerechnet 'Bryan Adams', dessen Stimme seit 'Summer Of ’69' praktisch zur Grundausstattung jedes Rockradios gehört. Auf 'How’s It Goin’' klingt sie zwischen den gezupften Saiten so selbstverständlich, dass ich mich frage, warum mich das überhaupt überrascht.

Angefangen hat alles mit einem Lied für die Naturdokumentation 'Canada’s Wild Eastern Edge'. Bei der Recherche fand 'Adams' Stoff für ein ganzes Album über seine Heimat. Geschrieben hat er große Teile davon ausgerechnet in Afrika. Wie er ntv erzählte, saß er zwischen Auftritten in Hotelzimmern und schrieb über Kanada. Die Texte kamen zuerst. Das Album erschien am 6. November 2026 bei Bad Records. Auf CD und Vinyl stehen zwölf Stücke, digital kommt 'Lake Ontario' als Bonustrack dazu.

Das Banjo zupft sich dann auch weit nach vorn und die Ukulele gibt vielen Liedern einen federnden Takt. Mitten in diesem hellen Klang sitzt die leicht rauchige Stimme, die für mich auf Anhieb in dieses Folk- und Country-Umfeld passt. Die Melodien bleiben so eingängig, wie man es von 'Adams' kennt. Wenn der Rhythmus kräftiger anzieht und mehrere Stimmen in den Refrain einfallen, kommt auch der Rockmusiker wieder deutlicher zum Vorschein. An anderen Stellen wird aus der Leichtigkeit eine bluesige Schwere, die ich bei all dem hellen Saitenklang anfangs gar nicht erwartet hätte. Im Interview führt 'Adams' das Fußstampfen und die Mandolinen auf die Musik Ostkanadas zurück, in der er Einflüsse aus Irland, England, Schottland und Wales hört. Damit steckt ein Stück der Gegend, über die er singt, schon im Klang der Songs.

So freundlich die Musik oft klingt, in den Texten wird 'Adams' ziemlich deutlich. In '51st State' greift er die Zölle auf und erteilt der Idee, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen, eine Absage. In 'Lake Ontario' hält er der Idee einer Umbenennung die indigene Herkunft des Seenamens entgegen. Mir gefällt der spöttische Ton, den 'Adams' dabei anschlägt. Eine politische Ansage, bei der man den Refrain nach kurzer Zeit mitsingen kann, muss man auch erst mal hinkriegen.

Bei einem Lied über den Bau der Canadian Pacific Railway hätte ich eher mit einem Diaabend gerechnet. 'Iron Ribbon' kommt mit Banjo und Händeklatschen so spritzig in Fahrt, dass mein Fuß sofort mitwippt. Für mich ist das der beste Einstieg in die Platte. Bei 'Diesel And Dirt' geht es bedächtiger zu. Die Gitarre hat einen bluesigen Zug, der Rhythmus lässt sich Zeit, und in der Stimme von 'Adams' höre ich die Müdigkeit des Mannes, von dem er erzählt. Der fährt mit GPS und einer riesigen Landmaschine über die Felder der kanadischen Prärie. Der Kredit ist ausgeschöpft, der Diesel wird teurer, und vom Verkauf der Ernte bleibt kaum etwas übrig. Für mich hat das etwas Beklemmendes. Am Ende geht die Sonne unter, der Weizen leuchtet golden, und der Erzähler denkt schon an die nächste Aussaat.

'Highway 16' ist dagegen stellenweise richtig beschwingt und sofort eingängig. Der Song handelt vom Highway Of Tears, dem Straßenabschnitt zwischen Prince George und Prince Rupert in British Columbia, an dem zahlreiche indigene Frauen und Mädchen verschwanden oder ermordet wurden. Die Melodie hat mich sofort mitgenommen. Gerade weil das Stück musikalisch so leicht zugänglich ist, trifft mich das, wovon 'Adams' singt, umso unvermittelter.

Ja, ich habe 'How’s It Goin’' gern gehört. 'Adams' steht dieser Klang, und wenn er so loslegt wie bei 'Iron Ribbon', bin ich sofort dabei. Für mich bleibt es trotzdem eine Platte für zwischendurch. Beim nächsten Griff ins Regal zieht es mich wieder zu den dunkleren Sachen. Wer melodischen Rock mag, bei dem gezupfte Saiten, ein guter Rhythmus und die Geschichten in den Texten gleich viel Platz bekommen, dürfte hier wahrscheinlich aber öfter landen.