Die Schwermut hat für März 2027 bereits gebucht. Natürlich standesgemäß: Kirchen, Kapellen, Schlösser – wenn schon ins Grübeln geraten, dann bitte unter einer ordentlichen Gewölbedecke. 'Rome' nehmen 'Of The Wand And The Moon' mit auf ihre „Our Lady Of The Legion“-Europatour und versprechen intime Solo-Auftritte in besonderen Räumen. Da bekommt selbst der Blick auf den Konzertkalender plötzlich etwas Feierliches.
Rome / Of The Wand And The Moon
Hinter 'Rome' steht der Luxemburger Jérôme Reuter, hinter 'Of The Wand And The Moon' der Däne Kim Larsen. Beide präsentieren jeweils ein eigenes Solo-Set. Das verspricht zwei unterschiedliche Perspektiven auf dunklen Folk: Reuters von Geschichte, existenziellen Fragen und dramatischer Spannung geprägte Lieder treffen auf Larsens melancholische Klangwelt. Große Gefühle brauchen schließlich nicht zwangsläufig eine große Bühnenbesetzung.
Für Reuters Auftritte kündigt der Veranstalter Material aus „The Tower“ und „The Hierophant“ sowie frühe Stücke an, die bislang selten oder noch nie live gespielt wurden. Die Songs sollen auf ihre wesentlichen Bestandteile reduziert werden. Gerade diese Konzentration macht neugierig: Wenn Stimme und Song im Mittelpunkt stehen, können vertraute Stücke plötzlich ganz andere Seiten zeigen.
Die historischen Spielstätten sind dabei mehr als eine hübsche Kulisse fürs Tourplakat. Reuter beschäftigt sich mit 'Rome' immer wieder mit Geschichte, Glauben, Zweifeln und persönlichen Konflikten. Diese Lieder in sakrale Räume zu tragen, gibt dem Konzept einen nachvollziehbaren Rahmen. Zwischen Kirchenbank und Gewölbe dürften manche Fragen noch etwas länger nachhallen – auch solche, für die der sonntägliche Gottesdienst keine befriedigende Antwort parat hat.
Larsen eröffnet die Abende mit einem Querschnitt durch verschiedene Phasen seines Schaffens. Bei ihm lohnt sich der Blick über das Neofolk-Etikett hinaus: Als Einflüsse nennt die Konzertankündigung auch Lee Hazlewood, Leonard Cohen und Serge Gainsbourg. Sein Songwriting schöpft damit ebenso aus der Singer-Songwriter-Tradition der Sechziger und Siebziger. Zwei eigenständige Handschriften an einem Abend unmittelbar nebeneinander zu erleben, macht einen zusätzlichen Reiz dieser Tour aus.
Die angekündigte Route reicht vom 4. März 2027 im schweizerischen Aigle bis zum 30. März in Linz und umfasst 15 Konzerte. In Deutschland stehen Zwickau, Hamburg, Berlin, Leipzig und Nürnberg auf dem Reiseplan. Weitere Stationen führen unter anderem in die Londoner Union Chapel, ins Schloss von Aigle und in die Prager Nová Libeňská Synagoga.
Weitere Informationen und Ticketlinks findet ihr auf romepage.org. Wer dunklen Folk in einem besonderen Rahmen erleben möchte, sollte sich diese Abende vormerken. Die Schwermut kommt persönlich vorbei. Und sie hat offenbar einen ausgezeichneten Geschmack bei Immobilien.