Irgendwo in den Tiefen von TikTok hat ein Algorithmus im Spätsommer eine folgenschwere Entscheidung getroffen: Diese schwedische Synthpop-Band aus Stockholm verdient mehr Aufmerksamkeit. Seitdem ist bei Red Cell nichts mehr, wie es war. Laut Label stieg die Facebook-Gemeinde seit August von rund 2.000 auf 37.000 Follower, die monatlichen Spotify-Hörer von etwa 5.000 auf 22.000. Hauptverdächtiger ist „Devils on the Run“, der Rausschmeißer ihres letzten Albums, der jetzt durch die Feeds der Welt geistert.

Wer so einen Lauf hat, lässt nun aber das Eisen nicht kalt werden. Am 6. November erscheint die neue Single „Collide and Combine“, erster Vorgeschmack auf ein Album, das Anfang 2027 folgen soll. Der Song hatte dabei eine kleine Identitätskrise: Erst explosive Synthpop-Hymne, dann fast schon Kuschelballade, dann zurück zur vollen Energie. Am Ende hat er offenbar zu sich selbst gefunden. Sänger Jimmy Skeppstedt hat sich dem Track erst einmal nur übers Zuhören genähert, immer und immer wieder. Das Intro klang für ihn gleichzeitig melancholisch und fröhlich, wie ein richtig guter 80er-Jahre-Film. Daraus wurde ein kraftvoller Liebessong mit der wohl ungewöhnlichsten Anmachzeile des Jahres: „I want to be your retirement“. Romantik trifft Altersvorsorge, und um genau diese Zeile herum hat er den ganzen Song gebaut.

Der Titel ist Beziehungsweisheit im Synthie-Gewand: Wer zusammen ist, prallt eben ab und zu aufeinander. Und weil laut Skeppstedt in jedem irgendwo ein kleiner Teufel steckt, besteht die Kunst darin, die eigenen Dämonen zum Teamwork zu überreden. Ganz neu ist der Hype um das Duo aus Skeppstedt und Stefan Aronsson übrigens dann doch nicht, er ist nur endlich groß genug. Red Cell machen nämöich schon seit 2003 Musik, und auch die deutsche Schwarze Szene kennt die Schweden bereits: Sie spielten unter anderem beim Eonly Festival in Leipzig und bei der NCN im nahen Deutzen. „Collide and Combine“ erscheint am 6. November 2026 über Stupid Dream Records / The Orchard.