Jetzt ist es also passiert. Am 6. November um kurz nach halb zwölf hat ein Mitglied unserer Redaktion mit leicht zitterndem Zeigefinger auf den PayPal-Knopf gedrückt. Die Antwort kam prompt und in nüchterner Schreibmaschinenschrift: „Deine Bestellung ist ausgeführt worden.“ Ausgeführt. Das klingt nach Urteil. War es auch – über unseren Kontostand. Für lächerliche 170 Euro haben wir den 'Rammstein'-Adventskalender 2026 erworben: einen schwarz-goldenen Karton mit 2,3 Kilogramm Kampfgewicht und 24 Pappschachteln voller neuer, unveröffentlichter 'Rammstein'-Produkte. Gesamtwarenwert laut Shop: rund 300 Euro. Wir haben gelernt, solchen Zahlen mit derselben Skepsis zu begegnen wie dem Satz „Das Konzert beginnt pünktlich“.
Deshalb gibt es hier ab dem 1. Dezember das Türchen-Tribunal. Jeden Morgen öffnen wir eine Tür und schreiben einen Artikel dazu. Wir fotografieren, befühlen, beschnuppern, probieren im Zweifel – und dann urteilen wir. Natürlich wie immer liebevoll, wo es verdient ist. Giftig, da wo es sich aufdrängt. Ehrlich immer - logisch. Dazu läuft unser Kontostand-Zähler: Er startet bei minus 170 Euro, und am 24. Dezember wissen wir, ob sich die Sache gelohnt hat oder ob wir sehr viel Geld für sehr hochwertig verpackte Socken ausgegeben haben.
Natürlich gelten Regeln. Wir öffnen nur eine Tür pro Tag: kein Vorgucken, kein Schütteln, kein Röntgen. Wer in der Redaktion am 3. Dezember heimlich die restlichen Schachteln aufreißt, rezensiert zur Strafe bis Ostern Schlager-Weihnachtsalben. Wer selbst einen Kalender ergattert hat, sei hiermit einmal und für alle 24 Tage gewarnt: Hier wird gespoilert. Also erst die eigene Tür öffnen, dann lesen. Und wir richten über Pappe, nicht über Menschen.
Und weil die Frage garantiert kommt: Nein, den Kalender hat uns niemand geschenkt. Wir haben ihn ganz regulär gekauft, mit unserem eigenen Geld. Medienkonverter ist kein Geschäftsmodell, sondern ein Hobby mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis. Wir verdienen hier keinen Cent – wir machen das, weil wir Bock drauf haben. Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Wir sind von niemandem abhängig. Nicht von Promo-Paketen, nicht von Geldgebern, nicht von irgendwem, der beleidigt sein könnte. Deshalb können wir uns leisten, ehrlich und direkt zu sein. Ist eine Tür großartig, sagen wir das. Ist sie nur Pappe mit Logo, sagen wir das auch.
Ihr seid übrigens die Jury. Unter jedem Tür-Artikel bewertet ihr mit dem Zeiger von 0 („sofort zurück in die Schachtel“) bis 100 („hängen wir uns übers Bett“). Am Ende küren wir gemeinsam Sieger und Verlierer des Kalenders. Den Anfang macht heute die Wortwand: Was steckt hinter Tür 1?Glühweingewürz, ein Multitool, doch ein Aschenbecher? Die Redaktion hat bereits gewettet. Wir tippen auf Socken. Wir tippen immer auf Socken.