Hin und wieder sagt ein Albumtitel erstaunlich viel – und manchmal zwingt ein Titel einen auch dazu, genauer hinzuhören. 'Consistency' von 'Vikowski' gehört klar zur zweiten Kategorie. Denn dieses Album ist vor allem eines: konsistent. Durchgehend. Beharrlich. Fast schon stoisch. Die Mailänder New-Wave- und Post-Punk-Band veröffentlicht ihr neues Werk am 30. Januar 2026 über das Pariser Label 'Icy Cold Records' und präsentiert damit nicht nur ihr erstes Album für das Label, sondern auch eine sehr klare künstlerische Standortbestimmung. Nach dem vergleichsweise offenen, stellenweise fast cinematischen 'The Long Run' wirkt 'Consistency' wie ein bewusster Rückzug in eine eng umrissene Klangwelt. Weniger Ausblick, weniger Weite, dafür mehr Wiederholung und Gleichförmigkeit. Viel Grau, wenig Kontrast. Und genau hier beginnt mein persönliches Verhältnis zu diesem Album ein wenig zu kippen – im Guten wie im Kritischen.
Musikalisch bewegen sich 'Vikowski' auf vertrautem Terrain. Der Sound ist minimalistisch, dunkel und kontrolliert. Kalte Basslinien tragen die Songs, das Schlagzeug hält alles in ruhigem, fast mechanischem Fluss, während die Gitarren melancholische Flächen ziehen, die sich irgendwo zwischen klassischem Post-Punk und New-Wave-Resignation einpendeln. Synthesizer sind weiterhin präsent, bleiben diesmal aber klar im Hintergrund – 'Consistency' ist deutlich gitarrenorientierter als frühere Veröffentlichungen. Was mir sofort auffällt: Dieses Album möchte über die ganze Länge gesehen nicht überraschen. Die Stücke folgen alle ähnlichen Strukturen, entwickeln sich langsam, bleiben lange in derselben Stimmung und lösen sich ebenso unspektakulär wieder auf. Das wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet aber mit der Zeit eine fast hypnotische Wirkung. Lässt man 'Consistency' am Stück laufen, funktioniert es hervorragend als geschlossene Atmosphäre – weniger als Sammlung einzelner Songs.
Und hier liegt für mich der entscheidende Punkt: Diese Konsistenz ist absolut gewollt und handwerklich sauber umgesetzt. Gleichzeitig habe ich mich beim Hören mehr als einmal gefragt, ob mir nicht ein kleiner Bruch, ein Ausreißer oder wenigstens ein klarer Höhepunkt fehlt. Viele Momente verschwimmen miteinander, was je nach Tagesform meditativ oder ermüdend wirken kann. Ich respektiere diesen Ansatz sehr – emotional hält er mich jedoch auf Distanz. Thematisch kreisen die Texte um Einsamkeit, Veränderung und innere Konflikte. Das ist klassischer Post-Punk-Stoff, hier jedoch ohne Pathos oder große Gesten vorgetragen. Statt Drama gibt es Nüchternheit, statt Eskalation Zurückhaltung. Dass 'Consistency' vollständig aus einem kollektiven Studio-Schreibprozess entstanden ist, hört man deutlich: Alles greift sauber ineinander, nichts stört, nichts reibt. Und genau diese Reibung hätte ich mir persönlich an ein, zwei Stellen gewünscht.
'Consistency' ist somit ein Album, das ich irgendwie eher bewundere als es liebe. Es ist in sich schon schlüssig, atmosphärisch dicht und stilistisch klar – aber eben auch sehr gleichförmig. Wer konsistenten, melancholischen Post-Punk schätzt und kein Problem mit wiederkehrenden Strukturen hat, wird hier bestens bedient. Wer nach Abwechslung, klaren Höhepunkten oder Songs mit unmittelbarem Wiedererkennungswert sucht, könnte sich beim Durchhören etwas verlieren. Unterm Strich hält 'Consistency' aber doch genau das, was der Titel verspricht: ein konsistentes Klangbild, das 'Vikowski' bemerkenswert konsequent bis zum Ende durchziehen. Kein Album für den schnellen Effekt, sondern eines für Geduld, Grautöne und stille Momente. Ich werde es sicher wieder hören – allerdings eher als geschlossenes Ganzes und weniger, um gezielt einzelne Songs rauszupicken.
Vikowski - Consistency
The Light Below - Georgia
Was passiert, wenn jahrhundertealte georgische Volkslieder auf schwere Post-Rock-Gitarren treffen? Wenn archaische Frauenstimmen nicht im Museum landen, sondern mit Post-Metal und weit aufgerissenen Klanglandschaften kollidieren? The Light Below beantworten diese Frage mit ihrem Debütalbum ‘Georgia’ – und liefern kein vorsichtiges Crossover, sondern ein bewusst forderndes musikalisches Experiment, das Tradition und Moderne frontal aufeinanderprallen lässt.‘Georgia’ ist eines dieser Alben, bei denen schon nach kurzer Zeit klar wird: Das hier will Zeit. Und Aufmerksamkeit. Sobald die CD einmal i...
Ein Song wird erwachsen: ‚The Cure‘ und die lange Reise von „Boys Don’t Cry“
Irgendwann hat jeder diesen Song zum ersten Mal gehört – im Club, auf Kassette oder viel zu laut über Kopfhörer. „Boys Don’t Cry“ ist kein Track, den man aktiv sucht, sondern einer, der einen findet. Und genau deshalb fühlt es sich nur folgerichtig an, dass The Cure ihm 2026 noch einmal ganz offiziell die Bühne überlassen. „Boys Don’t Cry (86 Mix)“ erscheint nämlich nochmals am 24. April 2026 und nochmal kuratiert digital sowie parallel als limitierte 12"-Single auf Vinyl. Anlass ist natürlich das 40-jährige Jubiläum des Albums Boys Don’t Cry aus dem Jahr 1986 – ein Release, das für viele bis ...