Wenn Trommeln grollen, als würden sie Geschichte wachrütteln, und Streicher klingen wie der Atem alter Ideale, dann ist man entweder in einem überambitionierten Historienfilm gelandet – oder man hält das Debütalbum 'Verloren Vnd Gefvnden' von 'Dvrch Heer Vnd Kraft' in den Händen. Ein Werk, das sich nicht um Trends oder Streamingzahlen schert, sondern wie ein aus Bronze gegossenes Statement klingt. Martialisch, melancholisch und mit genau der richtigen Portion Pathos, um zwischen neoklassischen Klanglandschaften und folkigem Ernst zu wandeln.
Nach der Trennung von Vae Victus im Jahr 2008 war es lange still um das Projekt von Adam Bérces aka Kraschau. Nun, gut anderthalb Jahrzehnte später, schlägt er mit dieser streng limitierten CD – nur 100 handnummerierte Exemplare! – ein erstes offizielles Kapitel auf. Verloren Vnd Gefvnden ist dabei nicht einfach nur ein Album, sondern ein Klangdenkmal: live wohl aufgenommen am 10.11.2009 in Ungarn, gespickt mit bislang unveröffentlichten und auf Compilations verstreuten Tracks, die hier nun ein gemeinsames Zuhause finden. Die ersten sieben Titel stammen direkt aus der erwähnten Liveaufnahme – roh, ungeschliffen und mit einer Intensität, die Studioaufnahmen selten erreichen. Stücke wie Der Fahnenträger, Begonnen oder Leute und Trümmer lassen an Bilder in Schwarz-Weiß denken, an Fahnen im Wind und an Gedanken, die irgendwo zwischen Ehre und Einsamkeit schweben. Es folgt mit Europa Calling eine überraschende, aber stimmige Coverversion des Forthcoming Fire-Klassikers – weniger kämpferisch als das Original, aber mit dem gleichen Gefühl von aufziehender Dämmerung.
Im weiteren Verlauf klingen Kompositionen wie Mit Gott, ohne Angst oder Der unbekannte Soldat wie musikalische Fragmente aus vergessenen Archiven – und bringen eine emotionale Tiefe mit, die man in der Neofolk-Szene oft vergeblich sucht. Hier geht es nicht um hohle Symbolik, sondern um spürbare Überzeugung – kompositorisch dicht, dramaturgisch fordernd und klanglich weit mehr als bloße Folklore. Das alles ergibt ein Debüt, das seine Wurzeln offenlegt, ohne nostalgisch zu verklären. Wer also gerne musikalisch durch Trümmerfelder schreitet und zwischen Folk, Modern Classical und kontemplativer Melancholie wandelt, sollte sich Verloren Vnd Gefvnden schnell sichern – bevor es wieder im Nebel verschwindet, aus dem es gekommen ist.
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