Wulfsige - Inquisitor Side 2

Wulfsige - Inquisitor Side 2

Wenn man an Los Angeles denkt, denkt man an Blockbuster, Glitzer und überbelichtete Instagram-Sonnenuntergänge. Doch mitten in dieser Kulisse existiert da dieses eine Projekt 'Wulfsige', das lieber Kerzen anzündet als Scheinwerfer. Statt Superhelden gibt es hier verfluchte Inquisitoren. Statt Explosionen langsame, bedrohliche Klangflächen. Wir haben 'Wulfsige' bereits 2025 mit dem Release 'Yule' vorgestellt – damals noch mit vorsichtiger Neugier, heute mit spürbarer Erwartung. Denn schon damals war klar: Hier arbeitet kein Nebenbei-Projekt, sondern ein künstlerischer Kopf mit Vision. Seitdem verfolgen wir gespannt, wohin sich dieses kalifornische Klangprojekt entwickelt. Und mit 'Inquisitor Side 2' zeigt sich, dass diese Reise nicht nur konsequent weitergeht, sondern dunkler, dichter und selbstbewusster wird.

Drei Jahre nach dem Verschwinden des Inquisitors Teil 1 wird die Geschichte nun also weitergeschrieben. In 'Inquisitor Side 2' folgt ein junger Kleriker Gerüchten, dass der einstige Glaubenswächter im Untod gefangen sein könnte – verflucht durch die Reste eines bösartigen, gefallenen Sterns. Allein dieses Szenario klingt schon nach düsterem Arthouse-Kino. Nur läuft der Film hier ausschließlich im Kopf. Musikalisch bewegt sich 'Wulfsige' im Spannungsfeld zwischen Dark Ambient, Dungeon Synth und cineastischer Klangkunst. Aber keine Sorge: Das ist kein monotones Hintergrundbrummen. Die Stücke entwickeln sich. Langsam, ja – aber zielgerichtet. Sie bauen Atmosphäre auf, sie verdichten sich, sie öffnen Räume. Man merkt: Hier wird komponiert, nicht einfach nur gefüllt.

Ein entscheidender Punkt: 'Inquisitor Side 2' kommt komplett ohne klassischen Gesang aus. Keine Lead-Vocals, keine erzählten Texte, keine klaren Refrains. Und genau das ist eine Stärke. Stattdessen arbeiten 'Wulfsige' mit chorartigen Flächen, verhallten Stimmenfragmenten und sakralen Andeutungen. Man hört Stimmen – aber sie sind wie Geister. Sie schweben, sie tauchen auf, sie verschwinden wieder. Kein Song im klassischen Sinne, sondern eher eine klangliche Beschwörung. Ich finde das ehrlich gesagt mutig. Gesang hätte hier womöglich alles zu konkret gemacht. So bleibt Raum. Raum für eigene Bilder, eigene Interpretationen. Man wird nicht geführt – man wird hineingezogen. Und das funktioniert erstaunlich gut.

Was ebenfalls auffällt: Hinter der düsteren Oberfläche steckt viel musikalische Erfahrung. Die Kompositionen wirken durchdacht. Melodische Motive tauchen auf und kehren wieder. Spannungsbögen werden aufgebaut, ohne dass man es sofort merkt. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Soundtrack ohne Film – nur dass man irgendwann merkt, dass man selbst im Film sitzt. Die Produktion ist komplett digital entstanden, mit virtuellen Orchestern und Synthesizer-Emulationen. Aber das Ergebnis klingt alles andere als steril. Der Sound wirkt rau, stellenweise bewusst zerfasert. Hallräume ziehen sich tief in den Raum hinein. Synth-Flächen knistern fast. Es klingt, als würde man Staub hören können. Und genau das passt perfekt zum Thema Untod und Verfall. Spannend!

'Inquisitor Side 2' von 'Wulfsige' ist ein atmosphärisch dichtes, rein instrumentales Werk mit vokalen Texturen, das mehr Kopfkino als Playlist-Futter bietet. Wer Dark Ambient, Dungeon Synth oder cineastische Klanglandschaften liebt, wird hier fündig. Nicht geeignet ist das Album für Hörerinnen und Hörer, die klare Songstrukturen, eingängige Refrains oder rhythmische Energie erwarten. Hier gibt es keine Hits. Hier gibt es Nebel. Ich persönlich finde es spannend, dass ein Projekt aus Los Angeles so kompromisslos düster klingt – und sich seit 'Yule' hörbar weiterentwickelt hat. Kein Hollywood-Kitsch. Kein Pathos mit Augenzwinkern. Sondern ernst gemeinte, sorgfältig aufgebaute Atmosphäre. 'Inquisitor Side 2' ist damit kein lautes Album. Es flüstert. Und genau deshalb bleibt es bei mir hängen.

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