Grimwald ist mehr als umtriebig. Der Musiker aus Stuttgart, den es nach Thüringen verschlug und der aktuell durch sein wunderbar schrulliges Mining Black Metall Projekt DauÞuz etwas mehr Aufsehen erregt (voll­kommen zu Recht, wie mir begeisterte Kumpel unter Tage zutrugen, auch wenn sie mich nicht vollends überzeugen konnten) hat in den letzten 25 Jahren in so mancher Kapelle gespielt oder sogar den Ton angegeben. Eines seiner ältesten Projekte heißt nach einem Namenswechsel ins Althochdeutsche Wintarnaht und existiert seit 1997. In dieser Zeit erschienen neben Demos, Splits und EPs immerhin 4 vollwertige Alben. Zeitweise war man sogar als Band unterwegs, doch ‚Hriuwa', was so viel wie Trauer bedeutet, entstand im Alleingang.

Es nennt sich also Archaic Black Metall, was sich hinter dem unaufregenden, aber vom Mastermind selbst gestalteten Cover verbirgt. Ich hätte jetzt eher Pagan Metall mit vereinzelten old schooligen Black Metall Exkursionen gesagt, aber geschenkt. Kann es denn was? Mmh, ‚Hriuwa‘ ist eines dieser Alben, das in meinen Ohren furchtbar schwer zu bewerten sind. Nein, nicht wegen der Unhörbarkeit oder mir fremder Klänge und nicht geheurer Experimente, viel mehr weil da nichts wirklich umhaut oder enttäuscht. Es ist wie mit Rezepten, die sich super Lesen. Tolle Zutaten (klassischer Black Metall, etwas Pagan Epik, nicht zu viel Synthies, Maultrommeln, auch mal Percussions im Blast- und Holperdrumfeuerwerk), interessante Zubereitung (häufige Wechsel in den Stilen, nicht linearer Aufbau der Songs und überraschen unkitschige Pagan Parts), ein feiner Gruß aus der Küche (fies Fauchen, Growls, Schreie und pathosschwangerer Menhir-Klargesang). Das müsste doch alles zusammen gemischt ein großartiges Gericht ergeben, oder? Und ja, irgendwie ist die Stunde keine Schlechte. Aber es fehlt die Würze, fehlen die besonderen Momente und auch wenn ich mich nie aufrege, nie genervt sein und definitiv keinen Verriss schreiben kann oder will, so ist es mir auch nicht möglich, wirkliche Kaufgründe zu benennen.

Das Cover: unbedeutend, die Instrumentierung: ganz gut, die Melodien: solider Standard ohne Hitpotential aber die Stimmung: etwas zerrissen, da kein fortlaufender Spanungsbogen. Der Gesang ist abwechslungsreich, aber kein Element ist nennenswert toll und damit einhergehend ist die Besonderheit des althochdeutschen Gesanges wenig beeindrucken, wenn man eh kaum etwas versteht. Abschließend würde ich den Sound als solide, wenn auch manchmal etwas pappig bezeichnen.

Ich muss sagen, auch wenn ich definitiv kein Fan von DauÞuz bin (trotz des tollen Konzeptes Mining Black Metall und wunderbar gestalteter Alben) kann ich doch jedes in den Minen geförderte Album eher empfehlen als vorliegendes Werk. Es ist nichts schlecht, aber das genügt hoffentlich niemanden für einen Kauf. Und da 2020 für den Black Metall wahrlich ein feines Jahr war, muss man auch nicht durch die kalte Wintarnaht irren in der Hoffnung auf ein Aha Erlebnis.

 

Wintarnaht

Hriuwa

 

31.10.2020

Eigenproduktion

 

https://wintarnaht.bandcamp.com/album/hriuwa

 

01. Hriuwa

02. Urlagfrôwa

03. þe Hreôgot

04. þaz tuncel Grabahûfo

05. þez Hraban Swarzi Trahanûn

06. Sîn þiu Erþa

07. Firhazzêt Truhtîn

08. Îr in Flamma

09. Runagaltar