Der Titel und das knallgrüne Tier sind bei den vier verrückten Finnen Programm. Denn mit ihrem unvergleichlichen, abgedrehten Sound darf man Waltari getrost als eine rare Spezies im Musik-Geschäft bezeichnen. Ihre stilistische Wandlungsfähigkeit kennt so gut wie keine Grenzen. Nach rund vier Jahren hat das „Crossover-Chamäleon“ endlich wieder eine neue Platte am Start. Die Mitte Dezember erschienene Single-Auskopplung „Life Without Love“ schlug bereits ein wie eine Bombe und ließ wieder auf ein fetten Kracher hoffen, den man von Waltari seit ihrer Gründung 1986 mit schöner Regelmäßigkeit vorgesetzt bekam. Vier Jahre Warten, aber auch vier Jahre harte Arbeit seitens der Band haben sich mehr als ausgezahlt. „Rare Species“ bläst einen förmlich gegen die Wand! Waltari rocken wie eh und je und ziehen alle musikalischen Register! Ob fette, metallische E-Gitarren, funky Disco-Beats, melodische Synthie-Lines oder einfach nur gnadenlos witzige Ausflüge in den Rap und Hip Hop und eine gehörige Portion rotzfrecher Attitüden – Waltari zeigen sich von ihrer gewohnt experimentierfreudigen Seite, die einfach keine Grenzen kennt. Gekonnt vermischen sie auf „Rare Species“ alle nur erdenklichen Stile zu einem mitreißenden, innovativen und extrem abwechslungsreichen und vor allem über 70 Minuten langen Opus! Wer nach dem Anhören von „Life without Love“ und „One Day“ – das übrigens den Auftakt auf der CD macht – überzeugt ist, dass es einfach nicht mehr besser geht, der wird auf „Rare Species“ sofort eines Besseren belehrt! Hier sprühen die Funken, kaum ein Song ist noch an Energie zu überbieten. Doch wo anfangen? Ganze 16 (!) Tracks sind auf der Limited Edition zu finden, davon vier Bonustracks der letzten, aus dem Jahr 2001 stammenden Vinyl-EP „Back to Persepolis“ – klassischer up-Tempo Rock’n Roll mit hohem Headbang-Faktor! Die 12 übrigen Songs rocken quer durch das ganze Repertoire und warten mit treibenden Drumming, dicken Bässen, den gewohnt abgedrehten, spacigen Keyboards und vor allem Kärtsys unverwechselbarer Stimme auf, die ebenfalls keine Grenzen kennt. Die Platte strotzt nur so vor Tempi-Wechseln, mal wird hart gebremst, mal voll aufs Gaspedal getreten, was als nächstes kommt kann man nur schwer erahnen. Hier ein verrücktes Sample, dort ein unglaublich abgedrehtes Gitarrenriff oder irgend ein anderer verrückter Einfall, den bisher noch keiner hatte – und immer alles mit viel, viel Humor. Das ist echter Crossover wie man ihn sich wünscht. Hier werden alle musikalischen Schubladen mit einem fetten Krach aufgezogen und der komplette Inhalt ziemlich kräftig durcheinandergemischt. Herauskommen dabei Hymnen wie „Dream“ oder das unverwechselbare „Alone“, welches kaum mehr zu überbieten ist. Auch „Dreamworld“ und „Quick As A Day“ besitzen ein echtes Hitpotenzial,die Songs sind kaum mehr aus den Ohren zu bekommen. Für alle Mitsinger ein gefundenes Fressen! Die ersten Takte von „What I really know“ hören sich doch glatt nachalten Amorphis-Riffs an! Gott hab die „Tales From The Thousand Lakes“ seelig! Der ultimative Kracher jedoch, der nicht nur im eigenen Wohnzimmer für ein Gelächter ohne Gleichen sorgen wird, ist das völlig durchgeknallte 2 Unlimited-Cover "No Limits". Mal ehrlich, kann sich noch irgendjemand an diesen fiesen Dancefloor-Track erinnern, bei dem man jedes Mal mit roten Ohren – oder besser – dickem Hals den Radio- oder Musik-TV-Sender wechselte? Waltaris Neu-Interpretation sollte man sich auf jeden Fall komplett anhören, da lacht das Herz! Mit „Your Funky Rhythm“ geht es einem ähnlich, nur gut, dass wir hier nicht auf die heftigen Metal-Gitarren verzichten müssen! Aber Achtung: wir sind immer noch beim selben Track! Und statt Two In One gibt’s gleich noch einen oben drauf. Die alten Megadeth lassen mit ihrer „Symphony of Destruction“ grüßen. Das ist der Hammer! Wer sich für die Musik von Waltari erwärmen kann, sollte unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen und bei einem ihrer kommenden, zahlreichen Auftritte dabei sein. Partystimmung garantiert! Da bleibt kein Auge trocken, denn die Finnen haben es einfach drauf! Wer will da noch was von HIM wissen? Neben Amorphis und Sentenced sind Waltari der coolste Finnen-Export überhaupt!