Zugegeben, wir sind mit dieser CD-Besprechung vielleicht nicht die Schnellsten, aber mal ehrlich: Eine späte Rezension ist wie guter Käse – der reift und wird mit der Zeit nur besser! Also hier ist sie, unsere gereifte Meinung zu Empires von VNV Nation, und keine Sorge: Sie ist den kleinen Umweg wert.
VNV Nation, das dynamische Duo bestehend aus Ronan Harris und Mark Jackson, hat mit Empires den lang ersehnten Nachfolger des Klassikers Praise the Fallen (kurz: PTF) geliefert. Und obwohl sich seit dem Vorgängeralbum auf den ersten Blick nicht allzu viel geändert hat, ist das keinesfalls ein Makel – warum sollte man etwas perfektes auch groß umbauen? Empires ist wie ein gut geölter Maschinenpark, bei dem jedes Zahnrad perfekt ins andere greift. Diese Platte ist roh, stellenweise fast schon ungeschliffen, und genau das gibt ihr diesen charmanten DIY-Charakter, der sie so besonders macht.
Eins ist sicher: "Kingdom" ist der Song, der dich beim ersten Hören umhaut. Der packt dich mit seiner eingängigen Melodie und den wuchtigen Beats so fest, dass du keine Chance hast, still sitzen zu bleiben. Der Track ist wie eine Achterbahnfahrt – du weißt nicht genau, was als Nächstes kommt, aber es macht höllisch Spaß. Ein Synth-Feuerwerk, das dich mitten ins Herz trifft und nicht mehr loslässt. Dann kommt "Standing" – und ja, der Name ist Programm. Dieser Song stellt sich mitten in deine Gehörgänge und bleibt einfach da. Die Beats sind so treibend, dass sie dich förmlich auf die Tanzfläche zwingen, während der Refrain sich in dein Gehirn einbrennt wie ein gut gemachtes Tattoo. Du wirst diesen Song so schnell nicht wieder los – aber das ist auch gut so!
Und dann ist da noch "Legion" – dieser Track ist wie ein epischer Endgegner in einem Videospiel, der dich gleichzeitig begeistert und fordert. Er baut sich langsam auf, nur um am Ende mit einem riesigen Synth-Hammer zuzuschlagen. Wenn du dich bisher gefragt hast, ob elektronische Musik auch tiefgründig und emotional sein kann, liefert dir "Legion" die Antwort: Ein dickes Ja! Hier werden nicht nur Knöpfe an Synthesizern gedreht, hier wird richtig auf die Gefühle gehauen. Für die ruhigeren Momente gönnt uns Empires mit "Distant (Rubicon II)" eine Verschnaufpause – und was für eine. Dieser Song ist eine sanfte Ballade, die dich wie eine kuschelige Decke umhüllt. Ronan Harris‘ Stimme klingt hier so beruhigend, dass man fast vergisst, wie hart das Album ansonsten ist. Eine kurze Oase der Entspannung, bevor es weitergeht.
Wer es lieber brachial mag, der wird mit "Fragments" seine wahre Freude haben. Dieser Track haut dir mit seinen harten Beats und den brachialen Samples ordentlich eins vor den Latz. Hier gibt es kein Pardon: Das ist Electro in seiner härtesten Form. Es fühlt sich an, als würden die Beats direkt durch den Boden dröhnen – genau das Richtige, um den Club zum Beben zu bringen. Und dann, als krönender Abschluss, kommt Empires mit einem echten Schmankerl daher: "Arclight". Dieser Track ist wie die Ruhe nach dem Sturm – eine sensationell ruhige Electro-Hymne, die das Album sanft ausklingen lässt. Es ist der Moment, in dem du die Augen schließen, tief durchatmen und das ganze Album noch einmal Revue passieren lassen kannst. Ein perfektes, fast schon besinnliches Ende für ein Album, das ansonsten vor Energie nur so strotzt.
Insgesamt lässt sich sagen: Empires bietet alles, was das Electro-Herz begehrt. Tanzbare Kracher wie "Rubicon" und "Standing", emotional tiefgehende Stücke wie "Legion", sowie brachiale Powertracks wie "Fragments" – und alles klingt, als wäre es mit chirurgischer Präzision aus einem Guss. VNV Nation beweisen mal wieder, warum sie an der Spitze der elektronischen Musikszene stehen. Für VNV Nation-Fans ist das Album sowieso ein Muss. Und für alle anderen: Gebt euch einen Ruck, lasst die Wäsche links liegen, dreht die Lautstärke auf und lasst euch von Empires mitreißen. Euer Alltag kann warten – dieses Album nicht!