Versengold - Eingenordet

Versengold - Eingenordet

Ich mache mal gleich zu Beginn reinen Tisch: So 'Folkrock' ist normalerweise nicht mein natürlicher Heimathafen. Ich bin eher der Typ, der selten freiwillig den Klabautermann grüßt und bei Trinkhörnern reflexartig nach dem Ausgang sucht. Genau deshalb war ich auf 'Eingenordet', erschienen am 9. Januar 2026 über Hansa, besonders gespannt. Denn wenn ein Album jemanden abholen kann, der dem Genre eher distanziert gegenübersteht, dann macht es offenbar einiges richtig.

Und tatsächlich: ’Versengold’ präsentieren sich mir hier erstaunlich zugänglich. 'Eingenordet' klingt nicht nach verkleidetem Mittelaltermarkt, sondern nach einer Band, die sehr genau weiß, was sie erzählen will. Musikalisch bleibt man klar im eigenen Kosmos, aber ohne sich darin zu verlieren. Songs wie 'Der Tag mag kommen', der Titelsong 'Eingenordet' oder 'Klabauterfrau' funktionieren auch für Außenstehende, weil sie auf starke Refrains, klare Strukturen und verständliche Bilder setzen. Das Feature 'Falscher Leuchtturm' mit ’Madsen’ öffnet das Album zusätzlich in Richtung Rock und dürfte gerade für Genre-Skeptiker ein dankbarer Einstieg sein.

Das Cover-Artwork liefert gleich auch noch den passenden visuellen Kompass mit: ein stolzes Schiff, eine Geige als Herzstück und eine Crew, die geschlossen nach vorne blickt – wenn Orientierung so aussieht, lässt man sich gern an Bord ziehen. Selbst aus meiner eher nüchternen Perspektive wirkt das Bild nicht kitschig, sondern konsequent durchdacht und überraschend symbolstark. Und gerade weil ich kein ausgewiesener Fan des Genres bin, fallen mir aber auch die sicheren Entscheidungen stärker auf. 'Eingenordet' wagt selten den Sprung ins Unbekannte. Das Album segelt souverän, aber immer mit Sicherheitsabstand zur Reling. Mir persönlich fehlen an ein, zwei Stellen zwar kleine Brüche oder Reibungsmomente die mich wirklich aus der Komfortzone holen. Alles ist sehr rund, sehr sauber, sehr kontrolliert – handwerklich stark, emotional aber nicht immer maximal fordernd - so mein Eindruck.

Auch textlich gibt es ein paar Unterschiede in der Tiefe. Während Songs wie 'Die halbe Welt' oder 'Erde' durchaus hängen bleiben und über den Moment hinaus wirken, sind andere Titel eher leichtfüßige Unterhaltung. 'Klopapier' etwa ist charmant, witzig und vermutlich live ein Selbstläufer, berührt mich aber weniger nachhaltig. Das ist kein Vorwurf, sondern eher eine Feststellung aus jemandes Sicht, der Texte gern noch ein bisschen länger mit sich herumträgt. Unterm Strich ist 'Eingenordet' für mich doch ein überraschend starkes Album – gerade weil es mich als Genre-Außenstehenden nicht abschreckt, sondern mitnimmt. ’Versengold’ liefern damit kein waghalsiges Experiment, aber ein ehrliches, gut gemachtes Werk mit Haltung, Humor und klarer Linie. Vielleicht kein Sturm, der meine musikalische Landkarte komplett neu zeichnet, aber definitiv ein Windstoß, der Respekt abnötigt. Und manchmal ist genau das mehr, als man erwartet.

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