Unheilig - Liebe Glaube Monster

Unheilig - Liebe Glaube Monster

Man kann über 'Unheilig' vieles sagen – aber sicher nicht, dass diese Band jemals halbe Sachen gemacht hätte. Wenn 'Der Graf' singt, dann gleich über Liebe, Leben, Hoffnung, Erinnerungen und alles dazwischen. Kleine Gefühle sind einfach nicht sein Stil. Genau deshalb war es auch fast logisch, dass das Comeback-Album nach neun Jahren Pause nicht etwa „Neue Songs“ oder „Zurück“ heißt, sondern 'Liebe Glaube Monster'. Drei Worte, die ungefähr so subtil sind wie ein Feuerwerk in Zeitlupe. Aber subtil war bei 'Unheilig' ohnehin nie Teil des Konzepts – und ehrlich gesagt wäre alles andere vermutlich auch ein bisschen enttäuschend.

Als 'Der Graf' 2016 im Kölner Rhein-Energie-Stadion seinen Abschied feierte, wirkte das wie das endgültige Ende einer sehr erfolgreichen Karriere. Große Bühne, große Emotionen, große Worte – eigentlich alles, was man braucht, um ein Kapitel würdevoll abzuschließen. Schließlich gehörten 'Unheilig' mit Alben wie 'Grosse Freiheit' zeitweise zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands überhaupt. Nummer-eins-Alben, ausverkaufte Hallen und Stadiontouren gehörten damals fast schon zum Alltag. Doch wie sich nun zeigt: In der Popmusik ist ein Abschied manchmal einfach nur eine besonders lange Pause mit dramatischer Beleuchtung. Und bei 'Unheilig' darf diese Beleuchtung selbstverständlich gerne Stadiongröße haben. Mit 'Liebe Glaube Monster' meldet sich 'Unheilig' nun also zurück. Und ja – wer die Band kennt, weiß ziemlich schnell, worauf er sich hier einlässt.

Musikalisch macht 'Liebe Glaube Monster' ziemlich genau das, was man von 'Unheilig' erwarten darf. Große Pop-Rock-Hymnen treffen auf dunklere elektronische Klangflächen, dazwischen tauchen immer wieder melodische Balladen auf, die sich erstaunlich schnell im Ohr festsetzen. Der Graf versteht es nach wie vor gut, Songs zu schreiben, die schon nach wenigen Sekunden vertraut wirken. Man hört sie zum ersten Mal – und hat trotzdem das Gefühl, den Refrain eigentlich schon längst mitsingen zu können. Produktionstechnisch ist das Album modern und sauber umgesetzt. Breite Synthesizerflächen, klare Pop-Strukturen und kräftige Beats sorgen dafür, dass der Sound jederzeit groß genug für Hallen und Festivals wirkt – und für jene Momente, in denen tausende Menschen gleichzeitig ihre Feuerzeuge oder Smartphone-Lichter in die Luft halten.

Und natürlich wäre 'Unheilig' nicht 'Unheilig', wenn nicht auch die ganz großen Emotionen wieder ihren Auftritt hätten. Der Graf greift beherzt in die Gefühlskiste und findet dort offenbar immer noch erstaunlich viele neue Varianten für Themen wie Liebe, Hoffnung, Erinnerung und die großen Fragen des Lebens. Manchmal so direkt, dass man fast schmunzeln muss. Einige Zeilen klingen tatsächlich so, als hätten sie früher hervorragend in ein Poesiealbum für Kinder gepasst. Man wartet beim Hören fast darauf, dass irgendwo zwischen den Versen noch ein Glitzersticker auftaucht. Das ist gelegentlich ein bisschen viel Pathos – aber gleichzeitig auch genau das, was bestimmt viele Fans an dieser Band lieben. Der Graf war schon immer ein Meister darin, Emotionen groß und zugänglich zu verpacken. Während man beim Hören vielleicht hier und da leicht mit den Augen rollen könnte, ertappt man sich gleichzeitig dabei, wie man doch wieder mit dem Kopf im Takt nickt. Denn so kalkuliert diese Mischung aus Melodrama, Pop und dunkler Romantik manchmal wirken mag: Sie funktioniert.

Musikalisch wirkt 'Liebe Glaube Monster' dabei fast wie eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Karriere von 'Unheilig'. Verschiedene Stilrichtungen tauchen auf und verschmelzen zu diesem typischen Sound, der irgendwo zwischen Pop, Rock, Elektronik und Stadionhymne angesiedelt ist. Gerade diese Mischung war schon immer das Erfolgsgeheimnis der Band. 'Unheilig' bewegten sich stets zwischen verschiedenen Welten: zu poppig für die ganz dunkle Szene, zu düster für klassischen Schlager und gleichzeitig zu pathetisch für Indie-Puristen. Genau in dieser Zwischenzone hat sich der Graf über die Jahre aber eine erstaunlich große und treue Hörerschaft aufgebaut.

'Liebe Glaube Monster' ist sicher kein Meisterwerk, aber auch kein Reinfall. Eher so ein Album, bei dem man nach dem letzten Song denkt: Ja, kann man machen. Der Graf hat sein Handwerk noch immer im Griff – auch wenn dieses Comeback jetzt nicht unbedingt die Erde zum Beben bringt. Aber vielleicht muss es das auch gar nicht. Manchmal reicht es im Popgeschäft schon, einfach wieder da zu sein und genau das zu liefern, was die Fans erwarten. Und genau das tut 'Unheilig' hier: große Gefühle, große Refrains und eine ordentliche Portion Pathos – verpackt in Songs, die ihren Weg ins Ohr zuverlässig finden. Vom Hocker gehauen hat mich das Album nicht. Aber schlecht ist diese Rückkehr definitiv auch nicht.

Unheilig - Liebe Glaube Monster
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