Moon far away aus dem entlegenen russischen Örtchen Arkhangelsk warten 2026 mit ihrem offiziell 5ten Album auf und ich war ganz gespannt, als mich die Promo-Dateien erreichten. Das letzte Album, das ich hörte, war der Vorgänger 'Athanor Eurasia' und ich habe es in guter Erinnerung. Russische Folklore und Neofolk verschmolzen zu einer angenehmen, leicht verschrobenen Melange: Da höre ich gerne mal hin.
Der Titelsong "Acou" und sein "Prelude" sind schon einmal hörenswert. Mir gefällt die Beschreibung "The Russian Dead can dance" sehr, wobei ich da eher an spätere Alben der Veteranen, als sie sich stark der Weltmusik zuwendeten, denke. Wunderschön beschwingt und ohrschmeichelnd abgemischt tänzeln die sommerlich leichten Melodien an mir vorbei und ich genieße sie in der frühlingshaften Sonne meines Gartens genau wie das folgende "Steel, light, love". Ein deutlich neofolkigeres Gewand, monotone Rhytmik, geradlinige Struktur und trotzdem ein musikalisch positives Bild machen den Song zu einem kleinen Hit. Die russische Folklore findet beim vierten Titel deutlich mehr Raum, ein sentimental ruhiger Track, Schwermut im Sonnenschein. Wenn Moon far away die bisher gebotene Qualität gehalten hätten, wäre 'Acou' ganz sicherlich für mich zum Highlight der letzten Monate mutiert, denn die Verbindung aus russischer Schwere und frühsommerlicher Leichtigkeit und die unterschiedlichen aber geschickt eingesetzten Stile innerhalb der drei(einhalb) Songs begeistern mich.
Leider aber beginnt mit "Soulofkey" die zweite und irgendwie unfertige/suchende Seite des Albums. Ein Akutikstück, dessen Drumming und Abmischung wesendlich ruppiger klingt, so, als ob jemand anderes an den Reglern stand. Und auch inhaltlich wirkt der Song wie eine Demo, eine Idee, die noch ausgearbeitet werden muss und mit 7 Minuten viel zu lang geriet. Das folgende "17 Years" wartet mit einer extrem schief lamentierenden Baboushka auf, die oft leicht neben der langweilig im Hintergrund dahinplätschernden Melodie jault. "To count her names" fehlt die Abwechslung, "Turquoise" ist zur ein Zwischenspiel mit nervig quietschender Schaukel und "What way your rose grows?" und "How do the moons walk on grain"zwar besser, als die sie umliegenden Titel, aber irgendwie kommen beide Folksongs über nett nicht hinaus. Das abschließende "Acou coda" ist eben ein Outro, wie so viele und dann ist die zweite Albumhälfte überstanden und ich bin ausgeschlafen.
Schade! Sehr sehr schade. Das Album startet kraftvoll, mit vielschichtigen Folk-Stilmitteln. 'Acou' hatte richtig gut werden können. Aber Moon far away haben in meinen Augen viel zu sehr Lust gehabt, dahinzutreiben, anstatt ein kompaktes Album aufzunehmen und, es tut mir leid, bei mir hat das so gar nicht funktioniert. Ich empfinde die zweite Albumhälfte als skizzenhaft und unfertig, sogar die Produktion wirkt an einigen Stellen ganz anders, als noch zu Beginn. Reinhören können Freunde von Bands wie Rome oder Backworld, wenn es um den Neofolk Sound geht, oder eben späten Dead can dance gerne, vor allem, wenn man einen Hang zu dezent eingesetzter russischer Folklore hat. Vielleicht nehmen andere hier mehr mit.
Moon far away – Acou
prophecy productions / 13.03.2026
https://moon-far-away.bandcamp.com/album/acou
01. Acou (Prelude)
02. Acou
03. Steel, light, love
04. Look, the humanflocks...
05. Soulofkey
06. 17 Years
07. To count her names
08. Turquoise
09. What way your rose grows?
10. How do the moons walk on grain
11. Acou (Coda)