Eine Flöte in der Müllverbrennungsanlage: Das klingt nach einem Betriebsausflug, bei dem die Musikschule versehentlich den falschen Bus erwischt hat. Bei 'Thy Catafalque' gehört es zum künstlerischen Plan. Das ungarische Avantgarde-Metal-Projekt legt mit „Tömbök“ eine neue Single vor, die Abfall, Verwandlung und menschliche Denkmuster zusammenbringt. Dazu zeigt sich die Band erstmals in einem Video beim Spielen eines Songs. Nach fast drei Jahrzehnten darf die Kamera schließlich auch mal mit hinein. Der am 5. Oktober veröffentlichte Track ist nach „Búcsú a piros madártól“ der zweite Vorgeschmack auf „XIII: Sárga erdő“. Das dreizehnte Album erscheint am 20. November 2026 über Season Of Mist. Projektkopf Tamás Kátai bezeichnet „Tömbök“, sinngemäß „Massen“, als härtestes und dunkelstes Stück der Platte. Für die Stimmen sind Gábor Veres und Ivett Dudás zuständig, die Flöte steuert Dario Cei bei.
Die Lyrics verfolgen den Weg des Abfalls durch den Verbrennungsprozess: Materie verändert sich, wird in Wärme und Schlacke getrennt und bleibt schließlich in leblosen Blöcken zurück. Dagegen steht die Aufforderung: „Verwandle dich! Befreie dich!“ Kátai bietet auch eine menschliche Lesart an: Was macht der tägliche Druck mit unserem Denken? Die Verbindung vom Heizkessel zum eigenen Kopf ist also durchaus vorgesehen. Wer nach einem langen Montag innerlich bereits auf Restwärme läuft, findet hier möglicherweise einen Anknüpfungspunkt. Seit der Gründung 1998 hat Kátai aus den Black-Metal-Wurzeln ein Projekt entwickelt, das Elektronik und ungarische Folklore ebenso selbstverständlich einbezieht. Auf dem neuen Album kommen erstmals eingespielte statt programmierter Drums zum Einsatz. 34 Musiker und Sänger sowie ein zwanzigköpfiger Männerchor wirken an den zwölf Stücken mit; Folk- und Klassikinstrumente sollen gezielt dort auftauchen, wo sie gebraucht werden.
Ein durchgehendes Textkonzept gibt es diesmal nicht. Kátai beschreibt das Album vielmehr als Wanderung durch einen Wald vergangener Zeiten. Mit „Tömbök“ steht immerhin schon fest: Festes Schuhwerk allein reicht für diesen Ausflug nicht. Hitzebeständigkeit wäre ebenfalls hilfreich.
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