This Morn' Omina - Insha

This Morn' Omina - Insha

Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle angekündigt, dass mit 'Insha' von 'This Morn’ Omina' „49 Minuten Fokus, kein Ballast“ ins Haus stehen. Eine Ansage, die natürlich neugierig macht. Denn wer dieses Projekt seit Jahren begleitet, verbindet damit nicht nur spirituelle Konzepte und rituelle Symbolik, sondern vor allem eines: pulsierende Tribal-Rhythmen, hypnotische Percussion-Schleifen und jene dunkle Elektronik, die weniger gehört als körperlich erlebt wird. Doch jedes Album steht im Kontext seiner Entstehung. 'Insha' folgt auf eine Phase des Rückzugs, eine kreative Winterzeit, in der offenbar neu sortiert, neu gedacht und neu ausgerichtet wurde. Kein Schnellschuss, kein reflexartiges Zurückgreifen auf Bewährtes – sondern ein bewusster Schritt nach innen. Und diese Haltung ist vom ersten Moment an spürbar.

Das Album entfaltet sich demnach auch langsam. Keine überfallartige Eskalation, kein sofortiger Griff nach maximaler Intensität. Stattdessen viel Raum. Dunkle, sorgfältig gesetzte Texturen. Atmosphärische Schichten, die sich übereinanderlegen, ohne sich gegenseitig zu erdrücken. Wenn rhythmische Elemente einsetzen, dann wirken sie gebaut – fast architektonisch konstruiert. Beats greifen präzise ineinander, als seien sie tragende Säulen einer klar durchdachten Struktur. Nichts wirkt zufällig, nichts improvisiert. Produktionstechnisch ist das - na klar - beeindruckend. Der Mix ist transparent, jede Frequenz hat ihren Platz, selbst in dichteren Momenten bleibt alles sauber lesbar. Druck wird dosiert eingesetzt, Dynamik entsteht aus Schichtung und Timing, nicht aus bloßer Lautstärke. Hier arbeiten Musiker, die ihr Handwerk nach Jahrzehnten beherrschen. Man hört Erfahrung – und auch Disziplin.

Die Zusammenarbeit mit Nam-Khar verstärkt diesen Eindruck dann zusätzlich noch. Statt das Klangbild zu überladen, scheint seine Präsenz die spirituelle Dimension zu verdichten. Vieles wirkt mantrisch, fast meditativ, als ginge es weniger um äußere Beschwörung als um innere Fokussierung. Die Zeremonie findet nicht im ekstatischen Außen statt, sondern im konzentrierten Innenraum. Und genau hier beginnt die spannende Frage: Was bedeutet diese Verschiebung für das Hörerlebnis? Je länger man sich durch 'Insha' bewegt, desto deutlicher wird, dass dieses Album nicht auf unmittelbare Überwältigung abzielt. Es testet Zustände, variiert Puls und Intensität, lässt Spannungen entstehen und wieder zerfallen. Es ist ein kontrolliertes Spiel mit Energie – nie chaotisch, nie ungebremst.

Und doch gibt es da diese Momente, in denen der Puls anzieht, in denen die vertraute ritualistische Kraft aufblitzt. Und gerade diese Passagen zeigen, welches Potenzial in dieser Klangarchitektur steckt. Doch das Album entscheidet sich immer wieder dafür, nicht voll auszubrechen. Die Eskalation bleibt angedeutet, nicht ausformuliert. Und hier – ganz ehrlich – sitzt mein persönlicher Knackpunkt. Ich bewundere die Konsequenz. Ich schätze die Reife. Ich verstehe den Wunsch nach Reduktion, nach bewusster Ausrichtung statt nach Effekthascherei. 'Insha' jagt weder Nostalgie noch Club-Tauglichkeit hinterher. Es wirkt wie das Werk von Künstlern, die genau wissen, was sie tun – und was sie bewusst vermeiden.

Aber als langjähriger Hörer ertappe ich mich immer wieder dabei, auf diesen einen Moment zu warten. Auf die hypnotische Tribal-Wucht, die man nicht nur hört, sondern fühlt. Auf dieses Trommelfeuer, das einen in Trance versetzt. Diese Energie ist da – aber sie bleibt gezügelt. Fast so, als würde das Album sagen: Wir könnten. Aber wir müssen nicht. Vielleicht ist genau aber das die eigentliche Aussage von 'Insha'. Vielleicht ist es kein Werk der Beschwörung, sondern eines der Ausrichtung. Kein ekstatisches Ritual, sondern eine kontrollierte Meditation über Ritual. Mehr Fokus als Feuer! Die auf 300 Exemplare limitierte CD im 6-Panel-Digisleeve unterstreicht diesen Charakter zusätzlich. 'Insha' wirkt wie ein bewusst gesetztes Artefakt – kein schnell konsumierbares Produkt, sondern ein konzentriertes Kapitel in der Diskografie von 'This Morn’ Omina'.

Fazit: 'Insha' ist ein technisch stark produziertes, konzeptionell klares und spirituell fokussiertes Album. Für Hörerinnen und Hörer, die rituelle Ambient-Klangräume und introspektive Soundarchitektur schätzen, ist dieses Release absolut empfehlenswert. Wer jedoch bei 'This Morn’ Omina' vor allem die treibende, hypnotische Tribal-Energie der Vergangenheit sucht, wird – so wie ich – feststellen, dass dieses Album bewusst einen anderen Weg geht. Nein, es ist kein schwaches Werk. Aber es ist eines, das mehr meditiert als beschwört. Und genau diese Entscheidung macht es zugleich respektabel – und für mich persönlich leider auch ein kleines bisschen enttäuschend.

This Morn' Omina - Insha
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