‘The Ultimate Dreamers’ sind eine Post-Punk-/Cold-Wave-Band, gegründet im belgischen Lessines und mittlerweile in Brüssel beheimatet. Und ja – irgendwie man hört das. Nicht im Sinne von Klischees, sondern viel eher wie ein dauerhaft bewölkter Himmel, der einfach nicht ganz aufreißen will. Klingt deprimierend? Ist es vielleicht auch ein bisschen. Aber genau darin liegt der Charme. Schon mit ‘Paradoxical Sleep’ haben sie bewiesen, dass sie Atmosphäre können – und zwar ohne großes Theater. Kein Album, das dir das Leben erklärt, aber eines, das sich langsam in den Hinterkopf schleicht und dort gemütlich einnistet. Und jetzt kommt da auch noch ‘Paradoxical Implants EP’ um die Ecke und denkt sich offenbar: „Was wäre, wenn wir einen Teil der Songs nochmal nehmen… und ein bisschen kaputt machen?“ Gemeinsam mit ‘Len Lemeire’ – Mastermind hinter ‘Implant’ und jemand, der seit Jahren genau diese kühle elektronische Ästhetik mitprägt – wird hier nicht einfach remixt. Das ist eher eine kontrollierte Demontage mit anschließendem Wiederaufbau. Oder anders gesagt: Die Originalversionen wurde nicht poliert, sondern einmal auseinander geschraubt und mit leicht zittrigen Händen wieder zusammengesetzt. Und überraschenderweise funktioniert genau das ziemlich gut.
Der Einstieg macht direkt klar, wohin die Reise geht: dunkel, dröhnend, leicht verstörend. Dazu diese halb gesprochene, halb beschwörende Stimme, die sich durch die gesamte EP zieht wie ein schlecht gelaunter Erzähler, der dich irgendwohin führt, ohne dir zu sagen wohin. Das ist kein Gesang zum Mitsingen – das ist eher die Sorte Stimme, bei der man kurz checkt, ob man wirklich allein im Raum ist. Im weiteren Verlauf zieht das Tempo an, mehr Beat kommt ins Spiel, alles wirkt etwas greifbarer – zumindest auf dem Papier. In der Praxis bleibt dieses Gefühl bestehen, dass hier zwar Bewegung drin ist, aber niemand so richtig weiß, ob das jetzt Tanzfläche oder Selbstreflexion ist. Funktioniert beides. Je nach Laune. Oder Tagesform.
Dann kommt der Mittelteil. Und ja, da muss man ehrlich sein: Hier verliert die EP meiner Meinung nach spürbar an Spannung. Gar nicht katastrophal, aber deutlich genug, dass man kurz abschweift. Die Tracks treten gefühlt ein bisschen auf der Stelle, drehen sich im eigenen Kreis und wirken fast so, als hätten sie sich selbst zu lange zugehört. Das ist einer dieser Momente, in denen man merkt: Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Zum Glück fängt sich das Ganze wieder. Vor allem dann, wenn diese bekannte Cold-Wave-Anleihen durchkommen – plötzlich wird es klarer, eingängiger, fast schon… zugänglich. Für einen kurzen Moment hat man das Gefühl, die EP würde einem die Hand reichen, nur um sie im nächsten Augenblick wieder loszulassen. Ein bisschen gemein, aber auch ziemlich effektiv. Was sich konsequent durchzieht, ist diese dunkle, beschwörende Grundstimmung. Die Stimme bleibt dabei eher gesprochen als gesungen, was dem Ganzen eine fast ritualhafte Note gibt. Gleichzeitig nutzt sich dieser Effekt über die Laufzeit leicht ab – ein paar mehr Variationen hätten hier definitiv nicht geschadet. So stark das Stilmittel ist, so sehr merkt man irgendwann: Okay, ich hab’s verstanden. Der Abschluss? Konsequent unspektakulär. Kein großer Knall, kein dramatisches Finale. Stattdessen ein leises Ausklingen, das sich anfühlt wie das Licht, das nach einer langen Nacht langsam angeht – man ist nicht enttäuscht, aber ein bisschen mehr Drama hätte man schon genommen.
‘Paradoxical Implants EP’ ist sicherlich ein spannendes Release – gerade weil es sich nicht mit der einfachsten Lösung zufriedengibt. Es nimmt bekanntes Material, dreht es durch einen dunkleren, kälteren Filter und macht daraus etwas Eigenständiges. Das ist mutig, das ist interessant – und über weite Strecken auch wirklich gut. Aber: Das hier wird die Szene nicht verändern. Dafür bleibt es am Ende zu sehr in bekannten Mustern verhaftet. Es verfeinert, es verschiebt, es interpretiert neu – aber es erfindet nichts grundlegend Neues. Und ganz ehrlich: Das muss es auch gar nicht. Wer also Post-Punk mit elektronischer Kante mag und wer Spaß an leicht sperrigen, düsteren Klangräumen hat, wird hier definitiv fündig. Für mich bleibt am Ende ein ziemlich klares Bild: ‘Paradoxical Implants EP’ ist wie ein Gespräch um drei Uhr nachts – ein bisschen zu düster, ein bisschen zu ehrlich, manchmal leicht anstrengend… aber genau deshalb erinnert man sich am nächsten Tag noch daran.
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