UADA - Interwoven

UADA - Interwoven

Manchmal reichen schon ein paar Sekunden, um zu merken, dass hier gerade etwas komplett aus dem Ruder läuft – im besten Sinne. Bei „Interwoven“ von ‘UADA’ ist genau das der Fall. Play gedrückt, kurz gewartet – und statt eisiger Black-Metal-Wucht sitzt man plötzlich irgendwo zwischen Nebel, Holz und diesem Gefühl von: „Das hätte ich so nicht erwartet.“ Ich habe kurz überlegt, ob ich die falsche Platte gestartet habe. Habe ich aber nicht. ‘UADA’ haben auf „Interwoven“ einfach beschlossen, alles auf links zu drehen.

Und zwar konsequent. Das am 10. April 2026 erschienene Album ist kein Akustik-Gimmick und schon gar kein „Unplugged für die Playlist“. Die Band nimmt sich einige Songs aus ihrer eigenen Geschichte, entfernt das komplette Black-Metal-Gerüst – und lässt etwas zurück, das näher an Dark Folk, Neofolk-Ritual und akustischer Trance liegt als an allem, was man bisher mit ‘UADA’ verbunden hat. Oder noch deutlicher: Das ist kein Black Metal mehr – das ist Black Metal, der beschlossen hat, plötzlich Folk zu sein. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber: Es funktioniert. Und zwar so gut, dass es fast ein bisschen nervt.

Denn plötzlich stehen die Songs komplett frei im Raum. Ohne Druck, ohne Verzerrer, ohne doppelten Boden. Und genau da zeigt sich: Diese Stücke waren schon immer verdammt gut geschrieben. Man merkt ziemlich gnadenlos, ob ein Song auch ohne Wucht trägt – und die meisten tun es. Teilweise sogar besser, wie ich finde. Besonders spannend ist die Rolle der Vocals. Jake Superchi ist hier nicht mehr Teil eines Klangsturms, sondern klar das Zentrum. Nahbar, direkt, teilweise fast unangenehm ehrlich. Statt Distanz gibt’s Nähe – und die fühlt sich nicht immer bequem an. Eher so, als würde dir jemand dieselben düsteren Geschichten nicht mehr entgegenschreien, sondern sie dir leise ins Ohr legen.

Was dabei besonders hängen bleibt: „Interwoven“ wirkt zu keinem Zeitpunkt wie ein kalkuliertes Experiment. Dafür ist es zu roh, zu ungeschliffen und an manchen Stellen bewusst eigenwillig. Die Idee existiert seit der Bandgründung 2014 – und genau dieses lange Gären hört man. Das hier ist kein Nebenprojekt, sondern ein fehlendes Kapitel, das jetzt endlich sichtbar wird. Und dieses Album funktioniert anders. Es verzichtet bewusst auf klassische Dramaturgie und setzt stattdessen auf Zustand statt Höhepunkt. Passagen dürfen stehen bleiben, entwickeln sich langsam, ohne sich aufzudrängen. Was zunächst unscheinbar wirkt, entfaltet mit der Zeit einen Sog, der einen immer tiefer hineinzieht. Gerade diese Reduktion ist es, die „Interwoven“ so stark macht. ‘UADA’ vertrauen ihren Songs – und lassen ihnen Raum. Kein Überfrachten, kein künstliches Aufdrehen, kein „hier müsste jetzt noch etwas passieren“. Stattdessen: Ruhe, Fokus und eine Intensität, die nichts mit Lautstärke zu tun hat.

Richtig spannend wird es bei den beiden Coverversionen, die mehr sind als nur Dreingaben. „Der Brandtaucher“ (im Original von ‘Rome’) fügt sich nahezu unheimlich nahtlos in das Gesamtbild ein. Die ohnehin schon düstere, fast militärisch-melancholische Stimmung wird hier noch stärker in Richtung Ritual verschoben. Man hat eher das Gefühl, der Song hätte schon immer zu diesem Kosmos gehört.

Ganz anders, aber ebenso überzeugend: „Something In The Way“ von ‘Nirvana’. Ein Song, der ohnehin von Reduktion lebt, wird hier noch weiter entkernt. ‘UADA’ versuchen gar nicht erst, ihn neu zu erfinden – und genau das ist die richtige Entscheidung. Stattdessen legen sie die fragile Grundstimmung so weit frei, bis nur noch ein leiser, aber erstaunlich intensiver Kern übrig bleibt. Kein großer Effekt – aber genau deshalb wirkt es. Fast schon unangenehm ehrlich.

Und jetzt mal ganz direkt: „Interwoven“ ist kein Album, das sich aufdrängt. Aber genau darin liegt seine Stärke. Es fordert nichts ein – es entsteht. Und wenn man sich darauf einlässt, bleibt es hängen. Oder anders gesagt: ‘UADA’ haben den Sturm nicht einfach leiser gedreht. Sie haben ihn komplett abgeschaltet – und zeigen, dass das, was danach kommt, manchmal deutlich interessanter ist als das Gewitter selbst. Und ja – ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das mal so unterschreibe.

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