Wer bei 'The Rorschach Garden' an beschauliche Gartenarbeit denkt, sollte wissen: 'Philipp Münch' hat auch schweres Gerät im Schuppen. Der Bielefelder Musiker ist eine Hälfte des Industrial-Duos 'Synapscape' und war unter anderem an 'Ars Moriendi' und 'Monokrom' beteiligt. Seinen eigenen elektronischen Garten bestellte er schon seit dem Jahr 1988: Damals startete 'The Rorschach Garden' als Soloprojekt irgendwo zwischen Ambient, Industrial und Avantgarde. Nach einer Pause ging es ab 2001 zunehmend in Richtung Synthpop und Minimal Electro. 38 Jahre nach der Gründung treffen nun auf 'Contact' melancholischer Gesang, schwebende Synthesizer und gelegentlich auch ziemlich nachdrückliche Beats aufeinander. Vieles daran gefällt mir gut. Nur wächst daraus bei mir keine große Liebe – auch nicht bei jemandem mit derart viel Gartenerfahrung.
Vor dem Hören gibt es allerdings eine kleine Suchaufgabe. Wer nach dem im April 2026 bei 'Ant-Zen' erschienenen 'Trust The Process' auch 'Contact' im dortigen Katalog sucht, muss diesmal die Adresse wechseln. Das digitale Album erschien am 31. Oktober 2026 auf der eigenen Bandcamp-Seite 'Rorschach Garden Records'. Münch nutzt diesen Weg schon länger neben seinen Labelveröffentlichungen; auch 'Grain Culture' und 'All From New' sind dort erschienen. Einen besonderen Grund für die Entscheidung nennt die Albumseite nicht. Hier werde ich auch duch intensive Recherche nicht schlauer. Egal, zehn Stücke plus Bonustrack ergeben knapp 45 Minuten Musik, den Preis bestimmt man selbst. Bei der Zugabe 'Radio' handelt es sich übrigens um eine Coverversion des gleichnamigen Songs der Düsseldorfer NDW- und Punkband 'Nichts', der ursprünglich 1981 erschien.
Los geht es erstmal ziemlich zurückhaltend. Ruhige Synthesizerklänge breiten sich aus, einzelne elektronische Signale tauchen auf, dazu kommt ein sparsamer, fast entrückter Gesang. Immer wieder werden im Track 1 die Worte 'Pitch Black' beschwörend wiederholt. Hier wird die Dunkelheit offenbar persönlich zum Dienst gebeten. Das gefällt mir als Einstieg ausgesprochen gut: Es passiert zunächst wenig, aber dieses vorsichtige Herantasten hat Spannung und macht Lust auf mehr. Richtig packt mich das Album dort, wo aus solchen ruhigen Anfängen ein kräftiger Beat entsteht. Die Bässe drücken, die Melodien gewinnen an Kontur, und das Zusammenspiel aus Gesang und treibender Elektronik erinnert mich tatsächlich hin und wieder an 'The Crüxshadows'. Besonders gut gelingt das bei meinem Anspieltipp 'Not Made For This World'. Erst diese schwebende Ruhe, dann der nach vorne gehende Rhythmus und darüber der schöne Gesang: Da passt für mich viel zusammen. Von diesem Schwung hätte ich gerne mehr.
Über weite Strecken geht es dann aber erstmal gelassener zu. Minimal Synth, Wave und Elektropop bilden meist die Grundlage, der Achtzigerjahre-Charme ist ebenfalls deutlich zu hören. Kristalline Töne treffen auf pulsierende Bässe, kleine Sounds fiepen dazwischen, und unter den schwebenden Flächen blubbern die Rhythmen. Manchmal wird es lebhafter, manchmal bleibt es bei einem ruhigen, eingängigen Dahingleiten. Die kleinen elektronischen Einfälle gefallen mir dabei durchaus. Gerade gegen Ende fühle ich mich mitunter an alte Nintendo-Sounds erinnert. Fehlt eigentlich nur noch, dass irgendwo ein zusätzliches Leben aufleuchtet. An den Klangdetails ist auch 'Babsi Teichner' beteiligt, die unter anderem Toy Piano und eine Microphonic Soundbox beisteuert. Das ist eine schöne Ergänzung zum Bild vom ausschließlich an seinen Synthesizern sitzenden Musiker. Die Musik selbst bleibt dabei übersichtlich genug, dass auch unscheinbare Töne ihren Platz finden. therorschachgarden.bandcamp.com
Die Stimme zieht sich mit ihrer Melancholie durch das ganze Album. Da steckt viel herbstliche Verlorenheit drin, oft vorgetragen in einem gleichförmigen Sprechgesang. Das passt zu dieser Musik. Auch die ruhigeren Stücke haben ihren Reiz, gerade wenn die Synthesizer genug Platz zum Schweben bekommen und eine schlichte Melodie trägt. Trotzdem bleibt bei einigen Passagen dieses Gefühl von „nett“ bestehen. Ich höre das gerne, finde einzelne Klänge gelungen und bin anschließend doch nicht besonders berührt. Am monotonen Gesang allein liegt das für mich nicht; eher fehlt mir über längere Abschnitte etwas von dem Zug, den die stärkeren Momente entwickeln.
So bleibt 'Contact' für mich ein gutes Album mit schönen Details und einzelnen wirklich gelungenen Stücken. Wer Minimal Synth, ruhigen Wave und zurückgenommenen Synthpop mag, dürfte hier einiges finden. Die druckvolleren Passagen machen Spaß, der Einstieg weckt Neugier, und auch das elektronische Gepiepse hat Charme. Mich holt das Gesamtwerk allerdings nicht ganz so ab, dass ich es gleich wieder von vorne hören möchte. Ein Besuch in diesem Garten lohnt sich trotzdem – zum Dauercampen zieht es mich aber vorerst woandershin.
The Rorschach Garden - Contact
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- Elec
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- Electronic / Industrial / NoiseReviews
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