Bei 'The Opposer Divine' beginnt die Dystopie mit einer Stimme, für die ich freiwillig lauter drehe. Im Kino wäre das der Moment, in dem ich der Hauptfigur zurufe, sie soll bloß die Finger vom Regler lassen. Die Stimme gehört 'Ecki Stieg', den viele von den 'Grenzwellen' bei 'Radio Ffn' kennen. Der Radiomoderator und Kopf hinter Samplerreihen wie 'Electrocity' und 'Night Of Darkness' wirkt bei den beiden Auftaktstücken 'Die Zueignung' und 'My Dedication' mit.
'The Opposer Divine' ist das Soloprojekt des slowakischen Musikers 'Boris Mutina' alias 'Minor Float', der auch bei 'Terminal State', dem Projekt seines Bruders, live mitwirkte. Was als Spielwiese für Ambient, IDM und Experimente begann, hatte auf 'Barb Wire Around Your Neck' (2015) bereits die Züge eines düsteren Science-Fiction-Soundtracks. Die EP 'Time Slide' vom Dezember 2025 war laut Label das Experimentierfeld für 'Anima Mecanica'. Das Album erschien am 2. November 2026 bei 'Electrofrequent'. Auf Bandcamp steht es unter den Initialen 'T.O.D'.
Der Auftakt klingt, als stünde ich in einer Höhle. Zwischen den Klängen bleibt so viel Platz, dass mich jedes einzelne Geräusch kurz innehalten lässt. Dazu erzählt 'Ecki Stieg' mit leicht verzerrter Stimme und einer Gelassenheit, die das Ganze erst recht unheimlich macht. Schon im zweiten Stück wird der Klang voller und der Beat packt kräftiger zu. Ab dem dritten gewinnt die Platte weiter an Fahrt. Laut Begleittext hat 'Mutina' auf vielen Stücken stark bearbeitete elektronische Beats durch analoge Drums ersetzt. Wo auf dem Album gesungen wird, klingt die Stimme dunkel, stark verzerrt und so boshaft, als hätte der Teufel persönlich das Mikro übernommen.
Im Mittelteil fällt auf, wie nah die Drums klingen. Sie schlagen trocken an, während sich die lang gezogenen Synth-Flächen im Hintergrund langsam verändern. Das gibt der Musik etwas Filmisches. Die Basslinien sitzen tief im Mix und geben selbst den gemächlicheren Passagen Gewicht. Darin höre ich 'Front Line Assembly' am deutlichsten. Das Zusammenspiel aus Wucht und Melancholie erinnert mich dann beim nächsten Einruck wieder direkt an 'In Strict Confidence' aus den frühen Nullerjahren, besonders an 'The Darkest Corridors' von 'Holy' (2004). Wie 'Mutina' den Druck aufbaut, hört man besonders gut an 'Stalker'. Wer beim Titel an 'Covenant' denkt, hat vielleicht schon deren wuchtigen Einstieg im Ohr. Das eigenständige Stück von 'Mutina' beginnt ganz ruhig. Erst bei etwa 1:15 setzt in der Albumfassung der Beat ein und schiebt ordentlich nach vorn. Die Grundfigur bleibt stehen, während nach und nach weitere rhythmische Akzente hinzukommen. So wächst die Spannung mit jedem Durchlauf. Dieser Umschlag ist für mich der stärkste auf der Platte. Als Ausgangspunkte nennt 'Mutina' den gleichnamigen Film von 'Andrei Tarkowski' und den Roman '1984' von 'George Orwell'.
In den letzten Stücken nimmt 'Mutina' dann wieder Tempo und Intensität wieder etwas zurück. Mit 'Ephemeral' kehrt fast die Ruhe vom Anfang zurück. Nach dem Druck des Mittelteils fühlt sie sich für mich wie ein Aufatmen an. Für diese Dramaturgie muss man gut 54 Minuten mitbringen. Wer Dark Electro vor allem für den schnellen Schub hört, dürfte beim sechsminütigen Auftakt schon mal auf die Uhr schauen. 'Anima Mecanica' ist für mich ein starkes dystopisches Electro-Album, gerade weil sich 'Mutina' Zeit lässt. Am besten gefällt mir, dass die Platte trotz der kräftigen Drums ihre unheimliche Grundstimmung behält. Wer an Dark Electro den kräftigen Rhythmus und die düstere Melodik mag, sollte sich dieses Album am Stück anhören.
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- 01 Die Zueignung (mit Ecki Stieg) Leser-Favorit Dein Favorit
- 02 My Dedication (with Ecki Stieg) Leser-Favorit Dein Favorit
- 03 Disorder Leser-Favorit Dein Favorit
- 04 Paralyzed Leser-Favorit Dein Favorit
- 05 Stalker Leser-Favorit Dein Favorit
- 06 Nobody Will Drop You Leser-Favorit Dein Favorit
- 07 Halo Effect Leser-Favorit Dein Favorit
- 08 In Our Time Leser-Favorit Dein Favorit
- 09 Silence Around Me Leser-Favorit Dein Favorit
- 10 Ephemeral Leser-Favorit Dein Favorit
Herz antippen = dein Lieblingstrack. Eine Stimme pro Album, jederzeit änderbar.
Details zum Beitrag
- Artikeldatum
- Autor
- Elec
- Kategorien
- Electronic / Industrial / NoiseReviews
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