Für eine ordentliche Bühnenshow reichen manchen Bands zwei Scheinwerfer und ein Ventilator. 'Test Dept.' und die walisische Avantgarde-Theatergruppe 'Brith Gof' hatten Ende der Achtziger andere Vorstellungen: Eine stillgelegte Rover-Autofabrik in Cardiff wurde mit 600 Tonnen Sand, 50 Bäumen und 30 Autowracks ausgestattet. Während der Aufführung wurde die Spielfläche zunehmend geflutet. Wer damals „Wir brauchen mehr Atmosphäre“ gesagt hat, dürfte beim Aufräumen ziemlich unbeliebt gewesen sein.

Das dazugehörige Werk heißt „Gododdin“, erschien 1989 als Studioalbum und kehrt am 4. Dezember 2026 über Artoffact Records als „Gododdin: 2026 Remaster“ zurück. Grundlage ist das alte walisische Heldengedicht „Y Gododdin“, das gefallene Krieger einer traditionell um das Jahr 600 datierten Schlacht bei Catraeth beklagt. 'Test Dept' und 'Brith Gof' griffen die Überlieferung auf, um Unterdrückung, kulturelle Selbstbehauptung und den Fortbestand der walisischen Sprache auf die Bühne zu bringen. Musikalisch verbanden die Beteiligten industrielle Percussion mit Dudelsäcken, Blasinstrumenten und walisischem Gesang. Die Musik begleitete ein groß angelegtes körperliches Theater, dessen Dimensionen schon die Materialbestellung erahnen lässt.

Auch die Neuauflage fällt großzügig aus: Drei CDs und eine DVD ergänzen die sieben Originalstücke um 19 bislang unveröffentlichte Aufnahmen. Graham Cunnington und Paul Jamrozy bearbeiteten wiederentdeckte frühe Studiosessions 2026 neu. Hinzu kommen Liveaufnahmen aus einem Steinbruch im italienischen Polverigi von 1989 sowie eine zeitgenössische Dokumentation mit Aufführungsbildern und Interviews. Eine rote Vinyl-LP erscheint separat, ebenso eine Digitalausgabe. Auf Bandcamp lässt sich bereits „Prologue (Early Studio Sessions, Reworked 2026)“ antesten. Für die Wiederentdeckung muss diesmal glücklicherweise niemand die Garage fluten.