Mein Blick in die DAC Charts war diese Woche eigentlich reine Routine. Einmal scrollen, kurz prüfen, wer vorne steht – und dann plötzlich: Platz 1 für ‘Solaris D’ mit ‘The Arrival’. Ein Name, der bei mir irgendwie kein sofortiges Aha-Erlebnis auslöste. Also erst einmal genau recherchieren. Und siehe da: kein echter Newcomer aus dem Nichts, sondern ein Düsseldorfer Synthpop-Duo um Irmi Wrede und Carsten Grünewald, schon seit ein paar Jahren aktiv, mit einigen Releases im Gepäck. Kein spektakuläres Comeback also, sondern scheinbar kontinuierliche Arbeit – und offenbar genau jetzt mit genug Rückenwind, um die DAC-Spitze zu erreichen.
Musikalisch bewegt sich ‘The Arrival’ klar im klassischen Synthpop-Kosmos mit leichten New-Wave-Anklängen und einem vorsichtigen Club-Einschlag. Die Produktion – professionell, transparent und sauber – lässt keinen Zweifel daran, dass hier erfahren gearbeitet wurde. Die Synthesizer sind strukturiert, die Beats solide programmiert, alles wirkt kontrolliert und durchdacht. Was mich beim Hören sofort getriggert hat, war der Einstieg gleich beim ersten Track ' Running'. Die ersten Sekunden erinnerten mich tatsächlich an die digitalen Klangwelten früher 90er-Amiga-Cracktros – ein nostalgischer Moment zwischen Retro-Charme und Stirnrunzeln. Daraus entwickelt sich dann aber schnell ein melodischer Synthpop-Sound, getragen vom Wechselspiel zwischen weiblichem und männlichem Gesang.
Und hier beginnt mein persönlicher Zwiespalt: Die Songs sind keineswegs chaotisch oder schwach komponiert – aber die Melodien bleiben für mich nicht hängen. Sie sind angenehm geführt, sauber arrangiert, aber sie setzen sich nicht fest. Kein Refrain verfolgt mich später am Tag. Kein Motiv taucht plötzlich wieder im Kopf auf. Statt Ohrwurm entsteht eher ein gleichmäßiger Fluss. Die EP setzt insgesamt mehr auf Dynamik, ohne aber wirklich auszubrechen. Einige Stücke starten vielversprechend, bauen Spannung auf, lassen rhythmische Energie entstehen – doch statt eines echten Höhepunkts bleibt für mich gefühlt alles im sicheren Bereich. Besonders bei längeren Passagen hätte ich mir irgendwie mehr Mut gewünscht: eine stärkere Verdichtung, einen emotionalen Bruch, einen Moment, der wirklich überrascht. Das ruhig gehaltene Finale 'End Of Waves' - meiner Meinung nach der stärkste Song auf dem Release - unterstreicht diesen Eindruck. Es endet kontrolliert, beinahe nüchtern. Keine große Geste, kein dramatischer Abschluss – eher ein sanftes Ausklingen. Zurück bleibt bei mir leider weniger Begeisterung als vielmehr Ratlosigkeit.
Wie gesagt, handwerklich ist ‘The Arrival’ absolut solide. Produktion, Gesang, Struktur – das stimmt. Aber bei einer DAC-Nummer-eins erwarte ich mir vielleicht unbewusst dieses gewisse Mehr. Etwas, das nicht nur funktioniert, sondern berührt. Und genau dieses Element fehlt mir persönlich.
Mein Fazit daher: ‘The Arrival’ ist ein sauber produziertes, homogenes Synthpop-Mini-Album, das sich gut in die aktuelle Electro-Szene einfügt. Für Hörerinnen und Hörer, die ruhige, klar strukturierte Songs mit dunkler Färbung mögen, ist es durchaus empfehlenswert. Wer jedoch starke Hooks, nachhaltige Ohrwürmer oder emotionale Spitzen sucht, könnte – so wie ich – am Ende ein wenig unentschlossen zurückbleiben. Nicht schlecht. Wirklich nicht. Aber für mich eben auch nicht das musikalische Ereignis, das ich bei einem DAC-Spitzenplatz vermutet hätte.
Solaris D - The Arrival
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