Was passiert, wenn der Körper zur Oberfläche wird und Gefühle nicht mehr gefühlt, sondern programmiert werden? Genau an dieser Schnittstelle setzt die neue digitale Veröffentlichung „Kaltes Licht (skinfields | Tension Control Rework)“ an. Seit dem 13. Februar 2026 ist das Zwei-Track-Release auf Bandcamp erhältlich und zeigt eindrucksvoll, wie konzentriert und reduziert moderne Elektro-Produktionen heute klingen können, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.
Hinter Tension Control steht natürlich immer noch Michael Schrader, der seit 2016 für kompromisslosen Oldschool-EBM mit zeitgemäßer Produktion steht. Für „Kaltes Licht“ arbeitet er mit der Sängerin ‘Skinfields’ zusammen, deren Stimme dem Stück eine ganz eigene Spannung verleiht. Der Text wirkt wie ein technisches Manifest zwischen Kontrolle und Feuer. Zeilen wie „Haut erinnert sich an Lärm. Metall träumt im Takt, jeder Kontakt wird Befehl.“ zeichnen ein Bild von Körpern als Interfaces und Identität als Code. Die wiederkehrende Selbstdefinition „Ich bin die Oberfläche, das Feld, die Grenze zwischen Kontrolle und Feuer“ funktioniert wie ein Loop im Arrangement: reduziert, klar, eindringlich.
Die digitale Veröffentlichung umfasst zwei Versionen des Tracks. Das „Tension Control Rework“ läuft kompakte 3:13 Minuten und setzt stärker auf Atmosphäre und die textliche Wirkung, während der „Tension Control Club Edit“ mit 3:15 Minuten den Fokus deutlicher auf Rhythmus und Tanzflächenenergie legt. Beide Varianten bleiben bewusst schlank, ohne unnötige Remix-Spielereien, und konzentrieren sich auf das Wesentliche: Struktur, Druck und Aussage. Mit „Kaltes Licht“ liefern Tension Control ein kompaktes, in sich geschlossenes Statement ab. Knapp über sechs Minuten Spielzeit reichen aus, um zwischen analogen EBM-Wurzeln und moderner Reduktion einen Raum zu schaffen, in dem – um es mit den letzten Worten des Textes zu sagen – tatsächlich „Stille lebt“.
Körper als Interface: ‘Tension Control’ und die Stimme von ‘Skinfields’
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