Erst kürzlich haben wir mit Enzo Kreft einen Veteranen der elektronischen Musik belgischer Provenienz besprochen. Signal Aout 42 ist der nächste "graue Wolf", der ein neues Album auf den Markt gebracht hat. Trotz seiner langen Zugehörigkeit - Signal Aout 42 ist seit mehr als 40 Jahren unterwegs - ist es erst das achte Album des Musikers, der sich aber auch eine lange Pause von 1993 bsi 2007 gegönnt hat. Mittlerweile bringt das Projekt wieder in schöner Regelmäßigkeit neues Material an den Mann und die Frau.

Zwischen dem Vorgänger "Insurrection" und "Ex+Voto" liegen wieder einmal drei Jahre (das ist die Zeit, die sich der Mann für die Alben in der Regel nimmt). In diesen drei Jahren hat Jacky Meurisse an seinem neuen Werk "Ex+Voto" gefeilt und getüftelt. Am Ende ist ein Album herausgekommen, das die Wünsche der nicht gerade kleinen Anhängerschaft vollstens erfüllen wird - und damit natürlich seine Daseinsberechtigung hat.

Dem neutralen Zuhörer wird der leicht dumpfe Sound und auch die radikale Art der Aufnahme sicherlich etwas befremden. Signal Aout 42 verzichtet auf jeglichen klanglichen Firlefanz und setzt die Sequenzen klobig in die Kompositionen. Durch die extrem einfach gehaltenen Arrangements erhalten die Stücke auf "Ex+Voto"  den Charakter unfertiger Demoversionen. Das bedeutet nicht, dass ein Song wie "Evening Mass" nicht auch zünden kann. Schöne Grüße der schwitzenden Synthesizer gehen übrigens an die Deutsch Amerikanische Freundschaft, die Meurisse sicherlich eine Steilvorlage lieferten für die Sounds dieser Nummer.

Signal Aout 42 durchlebte in seiner Karriere oftmals musikalische Häutungen. Parallel zu den musikalischen Errungenschaften im belgischen Untergrund, wechselten Meurisses Favoriten zwischen Techno, EBM und New Beat. Diese Vielseitigkeit scheint auch beim aktuellen Longplayer durch. Von der getragenen Atmosphäre beim Opener "Memories" zum kraftvollen Stampfer "Let Drop Your Mask" zeigt der Mann, dass er sein Handwerk beherrscht. Vor allem das abschließende "In Your Face" vereint noch mal alle Vorzüge belgischer Elektromucke in einem Song.

Dass Meurisse sicherlich nicht zu den besten Sängern der Szene gehört: geschenkt. Das gleicht er mit einer energetisch hohen Performance wieder aus, die aber durch die scheinbar unsauberen Aufnahmen an Kraft verlieren. Auch bleiben die Synthie-Harmonien immer etwas zu vorherehbar, um vollends zu begeistern. Es ist Jacky aber hoch anzurechnen, dass er eben nicht den Weg des geringsten Widerstandes  geht und sich für einen Stil entschieden hat, der erst einmal erschlossen werden muss.

Es dürfte einer der Gründe sein, warum es dieses Projekt immer noch gibt und von einer kleinen, aber stabilen Fangemeinde regelmäßig gefeiert wird. Signal Aout 42 ist der Purist unter den Elektronikern. In seinen Klängen wird deutlich, dass sich auch die elektronische Tonfrickelei -  teilweise zumindest - aus dem Punk heraus entwickelt hat, und zwar als Gegenentwurf zu den Drei-Akkord-Raufbolden. Dieses Rohe finden wir bei "Ex+Voto" noch in Reinkultur.

Bleibt also festzuhalten, dass die neue Scheibe von SA 42 sicherlich nicht der große Wurf ist, wir aber vom Belgier nichts anders gewohnt sind, als dass er nur Musik macht, hinter der er auch steht und sich dabei nicht all zu viel um die große Reichweite oder den rentablen Profit kümmert. Und das macht "Ex+Voto" wieder sehr sympathisch.