Der Daumen scrollt, die Stimmung sinkt, und irgendwo erklärt schon wieder jemand in Großbuchstaben die Welt. Wer nach einer Runde Nachrichten und Kommentarspalten dringend frische Luft braucht, dürfte das Ausgangsproblem der neuen Single von 'Neeve' kennen. „television cries“ erscheint heute, am 16. Oktober 2026, in Eigenregie – und soll dem täglichen Bilderhagel etwas Zuversicht entgegensetzen. Die Hamburger Indie-Rock-Band beschäftigt sich darin mit negativen Nachrichten, vorschnellen Urteilen und einer Diskussionskultur, in der Kompromisse ungefähr so beliebt scheinen wie ein WLAN-Ausfall. Alle haben ihre Meinung längst fertig, während Anteilnahme und Zwischentöne unter die Räder geraten. 'Neeve' halten dagegen: mit dem Gedanken, dass es weiterhin Menschen gibt, denen andere nicht egal sind. Klingt selbstverständlich? Ein kurzer Besuch in der nächsten Kommentarspalte könnte Zweifel wecken.
Musikalisch ist „television cries“ als Verbindung aus Melancholie, Euphorie und Energie angelegt. Der Song soll die Schwere seines Themas auffangen und Kraft geben. Wer sich zwischen 'Sam Fender', 'The 1975' und 'The Snuts' wohlfühlt, bekommt damit zumindest eine passende Orientierung für den ersten Hörtest. Hinter 'Neeve' stehen die Brüder Felix und Axel sowie ihr Cousin Marius. Mentale Gesundheit und toxische Männlichkeit gehören zu den Themen, mit denen sich das Trio beschäftigt; auch gegen Ausgrenzung und Intoleranz bezieht es klar Position. Seit dem Debütalbum „Chaos of my mind“ von 2022 führte der Weg unter anderem zum SXSW-Festival in Texas und auf internationale Bühnen.
Besonders viel Resonanz findet die Band inzwischen in China. Nach ihrer ersten eigenen Tour dort im Frühjahr standen Anfang Oktober erneut Konzerte in Beijing, Shanghai, Chengdu, Guangzhou und Shenzhen auf dem Plan. Zurück im heimischen Veröffentlichungsalltag richten 'Neeve' den Blick nun auf das, was zwischen all den Schlagzeilen leicht verloren geht: ein bisschen menschliche Wärme.
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