Gestern noch Zukunft, heute schon herrlich dreckige Gegenwart: 'Pig' haben am 22. Mai 2026 ihr neues Album „Hurt People Hurt“ über Metropolis Records losgelassen – als LP, CD und digital. Wer bei diesem Titel an sanfte Seelenpflege mit Kamillentee denkt, hat Raymond Watts vermutlich noch nie beim Innenausbau der menschlichen Abgründe erwischt. Das hier ist Industrial Glam mit Kajal, Maschinenöl und einem Grinsen, das auch im Beichtstuhl noch Ärger macht. Gemeinsam mit Jim Davies, bekannt durch seine Arbeit mit The Prodigy und Pitchshifter, zieht Watts auf „Hurt People Hurt“ wieder alle Register zwischen Maschinenraum, Kabarett, Glam-Rock-Gottesdienst und schwarzhumoriger Unterwelt-Revue. Zehn Tracks umfasst das neue Werk, darunter die vorab veröffentlichten Singles „Tosca’s Kiss“ und „Sex & Suicide“. Erstere bedient Watts’ bekannte Liebe zur Oper, letztere klingt schon vom Titel her wie ein Notfallzettel für emotionale Großschäden mit Tanzflächenzulassung.
Watts selbst nennt das Album gewohnt bildgewaltig „full fat PIG“ – und genau so klingt es auch: kein Diätprodukt, keine Wellness-Playlist, kein höfliches Hintergrundrauschen für Leute mit sauber sortiertem Innenleben. „Hurt People Hurt“ suhlt sich genüsslich in Schmerz, Lust, Obsession, Schuld und all den anderen Dingen, die der Alltag gern unter „später therapieren“ ablegt. Musikalisch bleibt 'Pig' dabei ein schwer einzuordnendes Tier: Industrial Rock knirscht mit Glam, Blues-Fetzen hängen im Stacheldraht, Cabaret lauert hinter der nächsten Ecke, und irgendwo predigt eine kaputte Orgel gegen den Weltuntergang an.
Dass Raymond Watts längst Legendenstatus im internationalen Industrial-Untergrund besitzt, muss man kaum noch mit Leuchtfarbe an die Wand sprühen: KMFDM, Einstürzende Neubauten, Foetus, Psychic TV, Schwein, Schaft – seine Spuren führen einmal quer durch die schön verdrahteten Katakomben des Genres. Auch Arbeiten für Film, TV, Werbung und Mode gehören zu seinem Lebenslauf. Live wird ebenfalls nachgelegt: 'Pig' spielen am 25. und 26. Juni zwei ausverkaufte Shows in Tokio, sind im September beim Cold Waves XIV in den USA dabei und haben für Dezember vier UK-Termine angekündigt. „Hurt People Hurt“ ist jetzt draußen – und klingt, als hätte jemand Schmerz, Theaterblut und Maschinenöl in einen goldenen Kelch gekippt. Wohl bekomm’s.
Wir verwenden Cookies zur Optimierung unserer Webseite. Details und Einstellungen finden Sie in der Datenschutzerklärung und im Privacy Center. Ihre Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Soziale Netzwerke & Drittanbieter-Inhalte können angezeigt werden. Mit „Alle akzeptieren“ stimmen Sie (widerruflich) auch einer Datenverarbeitung außerhalb des EWR zu (Art. 49 (1) (a) DSGVO).