Gestern war New-Music-Friday, heute sortieren wir die emotionalen Trümmer vom Wohnzimmerboden: 'Bluai' haben mit 'Alive' eine neue Single veröffentlicht, die nicht einfach nur traurig in die Ecke schaut, sondern sich nach ein paar Sekunden die Jacke schnappt und dem Leben hinterherrennt. Das Indie-Pop-Trio aus Antwerpen legt damit nach 'Sober' die nächste Spur in Richtung neues Kapitel – und ja, Taschentuch und Tanzschuh dürfen diesmal im selben Regal stehen. 'Alive' ist am 22. Mai 2026 via Unday Records erschienen und beginnt dort, wo viele Songs lieber vorsichtig wegblenden würden: bei Verlust, Schuldgefühlen und der bitteren Erkenntnis, dass man Menschen manchmal erst dann wirklich vermisst, wenn alle Gespräche, Besuche und kleinen Gesten plötzlich keine zweite Chance mehr bekommen. Songwriterin und Gitarristin Catherine Smet schrieb den Track im Schatten des Todes ihrer beiden Großmütter. Das klingt nach schwerem Gepäck, und das ist es auch – aber 'Bluai' machen daraus keinen bleiernen Trauermarsch, sondern einen Song, der sich mit klopfendem Herzen durch die Dunkelheit tastet.
Musikalisch treffen Indie-Folk-Wurzeln auf einen klareren Alt-Pop-Schimmer, als hätte jemand Big Feelings in ein halb geöffnetes Autofenster gestellt. Da ist diese Rastlosigkeit, die Verlust hinterlässt, aber auch ein trotziges Jetzt-erst-recht: weiterlaufen, weiterfühlen, weiteratmen, selbst wenn die Lunge schon Beschwerdebriefe schreibt. In einer zentralen Zeile singt Catherine Smet „how I feel I’m alive“ – und genau darum kreist der Song: nicht um hübsch sortierte Trauer, sondern um den Hunger, endlich bewusster da zu sein.
Seit ihrem Debütalbum 'Save It For Later' von 2024 haben sich 'Bluai' in Belgien längst vom Geheimtipp zur festen Indie-Größe gespielt. Siege bei wichtigen belgischen Musikwettbewerben, Radio-Präsenz und Festivalstationen wie Rock Werchter, Pukkelpop oder Cactus Festival sprechen eine deutliche Sprache. Auch international ging es bereits weiter, unter anderem mit Auftritten bei Live At Leeds, Lowlands und im Hyde Park. Wer 'Alive' hört, versteht ziemlich schnell, warum diese Band inzwischen auf so vielen Beobachtungslisten steht: 'Bluai' klingen nahbar, offen und trotzdem groß genug, um aus leisen Momenten kleine Herzkammer-Beben zu machen.