Die Menschheit hat die künstliche Intelligenz besiegt. Leider stehen vom Siegerpodest nur noch drei verkohlte Schrauben. So ungefähr beginnt das Zukunftsszenario von „Posthumaner Rundfunk“: Maschinen erledigt, Zivilisation gleich mit. 'Perzeptiverdampfkesselqualmtbesinnlich' liefert dazu am 11. Dezember 2026 über Synaptic Cliffs die passende Sendung aus dem Danach. Wer den Künstlernamen beim ersten Versuch fehlerfrei ausspricht, darf vermutlich die Überlebenden begrüßen.

Im Konzept der Veröffentlichung hat ein Atomkrieg gegen die KI die menschliche Zivilisation ruiniert. Jahrhunderte später bevölkern widerstandsfähige Quasi-Menschen die Erde und schicken eine Übertragung rückwärts durch die Zeit. Die Botschaft: Vielleicht kriegen wir das mit dem Zusammenleben noch hin, bevor jemand den großen roten Knopf für eine sinnvolle Diskussionsgrundlage hält. Musikalisch kündigt das Label experimentelle Elektronik zwischen Ambient und Noise an; das Infosheet nennt außerdem IDM. Vier Originalstücke treffen auf zwei Remixe von Russell Haswell, der „Wnuderbasar“ und „Wrasengleis“ laut Ankündigung beherzt auseinandernimmt und neu zusammensetzt. Insgesamt stehen knapp 26 Minuten auf dem Sendeplan. Schon „Seelenschnupfen (peak viral shredding)“ klingt als Titel nach einer Diagnose, für die selbst die Zukunft keine Kassenleistung vorsieht.

Ganz unbekannt ist dieses eigenwillige Universum bei uns übrigens nicht: Das verwandte Projekt 'Pdqb' um Sascha Dornhöfer beschäftigte uns bereits im Review zu „Der Transiente Zeuge“. Fürs Cover kommt Neo Rauchs Gemälde „Die Helfer“ von 2025 zum Einsatz. Die 12-Inch erscheint transparent mit violetten Sprenkeln sowie in einer auf 100 Exemplare limitierten, ebenfalls gesprenkelten Glow-in-the-dark-Ausgabe. Angeblich besteht diese aus nachträglich entstrahltem Zukunftsmaterial – ein hübscher PR-Gag. Immerhin: Wenn schon die Zivilisation ausgeht, findet man wenigstens noch die Platte.