Nicolas Balmer stellt sein erstes Soloalbum vor und fängt einfach mal ganz hinten an. „Wand“, der letzte Song auf „Leben“, hat bereits ein Video. Im Song geht es um den Moment, in dem man merkt, dass man seit Jahren dieselbe Runde dreht und sich jedes Mal über dieselbe Wand wundert. Der Zürcher hat daraus einen Vorgeschmack auf ein Album gemacht, auf dem die Gedanken kreisen und der Krautrock trotzdem ordentlich Strecke macht.

Am 4. Dezember 2026 erscheint „Leben“ bei Subject To Restrictions Discs auf Vinyl und digital. Acht Stücke hat Balmer dafür aufgenommen, zwei davon sind instrumental. Treibende New-Wave-Rhythmen und beharrliche Wiederholungen geben der Platte ihren Zug. Dazwischen schieben sich raue Noise-Schichten und ruhigere Ambient-Passagen. Mal lässt Balmer den Takt drängeln, mal bleibt genug Platz für einen Gedanken, den man lieber gleich wieder loswäre.

Wer nach „Wand“ an den Anfang der Platte springt, landet bei „Maschine“. Dort steckt Balmer noch mitten im Streit mit der Vergangenheit und hofft, dass zwei Menschen einander verzeihen können. In „Ein Gewitter“ ist die Beziehung bereits zerbrochen. Was bleibt, ist die Frage, wie man allein weitergeht, ohne unterwegs bitter zu werden. Der Titelsong setzt einen helleren Akzent. Bei aller Reue hängt Balmer ziemlich gern am Leben und hätte jemanden, der diese Begeisterung teilt, gern an seiner Seite.

Synthesizer und Experimente gehören für den Züricher schon länger zum Alltag. Er arbeitet unter anderem als 'Nico Sun', bildet mit Xueyan Chen das Duo 'Gūsū' und macht mit Angelo Repetto Musik als 'Konstant'. Für „Leben“ rückt er seine eigenen Geschichten in den Vordergrund. Am 11. Dezember stellt Balmer das Album live im Berliner Sameheads vor. Vor und nach dem Konzert gibt es DJ-Sets. Wer beim Grübeln schlecht stillsitzen kann, dürfte dort ganz gut aufgehoben sein.