Das nach dem Elfenkönig benannte und seit Prophecy Productions Anfangstagen dort beheimatete Soloprojekt von Bard Oberon knüpft 2018 an das vier Jahre zuvor sehr nette aber zu nette ‚Dream Awakening‘ an und nach einigen Durchläufen präsentiere ich nun meinen Senf dazu: Kann ‚Aeon Chaser‘ mehr als nur nett?

Die Frage beantworte ich mit einem klaren Jein. Denn im Grunde bleibt Oberon sich treu und zelebriert eine Sammlung rockig-folkiger Stücke mit hohem Traumreisefaktor. Mit wenig Ecken und Kanten versehen gehen die Songs ab den ersten Durchlauf gut rein, die Keyboards verschmusen den sanften Reigen noch ein Stück mehr und Bard Oberons Gesang und Texte passen perfekt, sind aber eben auch ungemein lieb und nicht frei von Kitsch. Von da her eigentlich keine wirkliche Entwicklung seit „Dream awakening“, jedoch zaubert Oberon 2018 einen haufen wirklich schöner Momente auf das Album. Nach einem nur guten Opener ist „Walk in twilight“ auf jeden Fall ein Ohr wert. „Black Aura“ ist ein fast schon düsterer Song, der leichte Anflüge von Doom transportiert und mit Vocodereinsatz zum Ende hin noch einmal mehr an Rock vergangener Zeiten erinnert. „Worlds apart“ und „Laniakea“ erinnern stark an die folkigen Lieder der Debut EP, die ja nun schon 24 Jahre auf dem Buckel hat und mir damals ausgesprochen gut gefiel. Ja, da ist nicht wirklich Innovation in beiden Titeln enthalten, aber in ihrer hohen Qualität findet Grund genug, dass auch Neo Folk Fans mal lauschen sollten. Der Beginn von „Lost souls“ erinnert mehr als stark an Smashing Pumpkins „Tear“, aber gut geklaut und dann neu und gut umgesetzt kann auch was für sich haben und es ist ein verdammt schöner Song dabei herausgekommen. Und mit dem abschließenden „Magus of the dunes“ mit dezenten Jean Michel Jarre Anleihen und wehmütigen Zeilen wird ein überraschend starkes Album beendet, das mit jedem Durchlauf wächst.

Tja, dafür, dass es mir eigentlich nicht wirklich gefallen sollte, da ich weder Rock noch nett so richtig mag, hatte ich verdammt viel Freude an ‚Aeon Chaser‘. Deutlich mehr, als noch beim Vorgänger und in jedem Fall genug, um eine klare Reinhörempfehlung abzugeben. Daumen hoch.