Negative Name - Insignificant

Negative Name - Insignificant

Seit 2009 mischt 'Negative Name' aus Mexiko-Stadt im Underground schon  mit – irgendwo zwischen Industrial, Post-Punk und EBM stehend. Keine großen PR-Offensiven, kein glattgebügeltes Image, sondern schlicht Musik. Roh, direkt und ohne Kompromisse. Genau solche Projekte mag ich ja besonders: Man stolpert darüber, denkt sich „Interessant…“ – und plötzlich hängt man doch länger dran als geplant. Mit dem aktuellen Release 'Insignificant', erschienen am 14. Februar 2026, liefert das Projekt ein fast instrumentales Statement ab. Der Titel wirkt fast wie ein Understatement. „Unbedeutend“? Nun ja – wenn das unbedeutend ist, dann hätte ich gern mehr davon.

Musikalisch klingt 'Insignificant' in meinen Ohren wie eine kranke Mischung aus 'Yello', 'DAF' und 'Front 242' – nur eben ohne Gesang, mit ein paar Samples und mit einem deutlich raueren Industrial-Schliff. Und ja, das ist eine ziemlich spannende Kombination wie ich finde. Da sind diese klaren, trockenen Rhythmen, die sofort an die stoische Direktheit von 'DAF' erinnern. Dazu kommen EBM-typische Sequenzen, wie man sie von 'Front 242' kennt – treibend, maschinell, schnörkellos. Und dann schimmern immer wieder Momente durch, in denen man sich denkt: „Ah, da ist dieses leicht verspielte Sample-Denken à la 'Yello'.“ Nur eben härter, kompromissloser und ohne ironisches Augenzwinkern. Hier wird nicht charmant geflirtet – hier wird marschiert. Gesang? Wie schon gesagt, Fehlanzeige! Es gibt keinen klassischen Vocal-Part, keine Refrains, nichts zum Mitsingen unter der Dusche. Stattdessen arbeiten die Tracks ausschließlich mit Samples. Das funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut, weil der Fokus komplett auf Rhythmus, Struktur und Atmosphäre liegt. Die Musik spricht – nur eben ohne Worte.

Teilweise bewegen sich die Stücke im Minimal-Bereich. Reduzierte Beats, klare Sequenzen, wenig Ballast. Das kann sehr hypnotisch wirken, fast meditativ – wenn man denn auf maschinelle Meditation steht. Ich tue das. Zumindest meistens. Und genau da kommt auch der kleine Haken: Nicht jeder Track hält die Spannung durchgehend. So zieht sich 'Attack' für meinen Geschmack etwas zu sehr. Die Grundidee ist stark, aber sie wird ein bisschen zu lange ausgespielt. Da hätte ich mir entweder eine zusätzliche Wendung oder einen klareren Schlusspunkt gewünscht. Man merkt: Minimalismus ist eine Kunst – und manchmal ein Drahtseilakt. Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Das Release wirkt geschlossen, stilistisch konsequent und vor allem ehrlich. Keine überproduzierten Effekte, kein unnötiger Schnickschnack. Stattdessen rohe, klare, industrialgeprägte Elektronik mit Rhythmus und präzise gesetzten Samples. Toll finde ich: 'Negative Name' versuchen nicht, modern zu klingen um jeden Preis. Sie klingen einfach nach sich selbst. Und das in einer Szene, die gerne mal im Retro- oder Trend-Karussell festhängt.

'Insignificant' ist ein spannendes, für mich neues Projekt, das definitiv Potenzial hat. Fans von 'Yello', 'DAF' und 'Front 242' – insbesondere in deren raueren Momenten – sollten hier unbedingt reinhören. Anspieltipp: Cyber Abyss! Wer auf reduzierten, samplegetriebenen Industrial/EBM steht und keinen Gesang braucht, wird hier fündig. Meine persönliche Meinung? Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mich dieses Release so packt. Trotz kleiner Hänger – insbesondere bei 'Attack' – bleibt ein starker Gesamteindruck. 'Negative Name' sind für mich eine echte Entdeckung. Und ich werde definitiv weiterhin ein Auge – beziehungsweise eher ein Ohr – auf dieses Projekt werfen. Unbedeutend? Ganz sicher nicht!

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