Vor einiger Zeit hatten wir ja schon mal über 'Nation Of Language' geschrieben – jene Band, die Kritiker*innen regelmäßig in die Verlegenheit bringt, ihr verstaubtes Genre-Lexikon von Synthpop über Post-Punk bis New Romantic auf den Tisch zu knallen. Nun also ein kleiner Reminder, damit ihr nicht behaupten könnt, wir hätten euch nicht rechtzeitig gewarnt: Am Freitag, den 19. September 2025, erscheint ihr viertes Album Dance Called Memory. Und das verspricht wieder diese Mischung aus elegischem Seufzen und tanzbaren Melancholie-Flashs, die niemand so schön hinbekommt wie Ian Richard Devaney und seine Crew.
Anstatt sich mit teuren Studio-Sessions oder pompösen Konzeptideen zu überfordern, hat Devaney die Songs im Grunde auf die simpelste Art geboren: Gitarre in die Hand, traurig sein, Akkorde klimpern – fertig ist die Grundlage für ein Album, das am Ende trotzdem klingt, als hätte Brian Eno höchstpersönlich das Licht gedimmt. Die Band ist damit ihrem Prinzip treu geblieben: große Emotionen aus kleinen Gesten heraus destillieren. Zur Erinnerung: Introduction, Presence (2020) und A Way Forward (2021) waren die perfekten Soundtracks für Lockdown-Müdigkeit, und mit Strange Disciple (2023) haben sie endgültig den Aufstieg geschafft – Rough Trade krönte die Platte zum Album des Jahres, Pitchfork schnalzte mit der Zunge. Kein Wunder also, dass der Erwartungsdruck für die neue Scheibe eher so auf Godzilla-Niveau liegt.
Aber statt Panikattacke liefert Devaney eine erstaunlich warme, menschliche Platte ab. Die Single „Now That You’re Gone“ etwa entstand aus dem Schmerz über den Tod seines Patenonkels durch ALS und ist gleichzeitig eine Hommage an die stille, aufopfernde Fürsorge seiner Eltern. Keine einfache Kost, aber in Musik verpackt, die so tröstlich wirkt wie eine Umarmung von jemandem, den man ewig nicht gesehen hat. Auch „I’m Not Ready for the Change“ erzählt von Momenten, in denen das Leben plötzlich schneller dreht, als man blättern kann: ein Partyfoto, auf dem heute fast alle Beziehungen Geschichte sind, Freunde auseinandergegangen – und man merkt, wie rasant Erinnerung zur Nostalgie wird. Produziert wurde das Ganze wieder von Nick Millhiser (LCD Soundsystem, Holy Ghost!), der der Band genügend Freiraum gab, um Drum-Samples zu zerschreddern oder Synths so zu verzerren, dass man sich fragt, ob man gerade bei My Bloody Valentine gelandet ist.
So verbindet Dance Called Memory das Maschinenhafte von Kraftwerk mit der menschlichen Wärme eines Brian Eno – ein bewusst gesetztes Statement gegen die kalte KI-Ästhetik, die sich gerade überall breitmacht. Am Ende bleibt nicht Trostlosigkeit, sondern die Erkenntnis, dass unsere Kämpfe uns zusammenschweißen können. Und das ist doch ein ziemlich guter Grund, sich diesen Reminder zu Herzen zu nehmen.
Nation Of Language – Ein Reminder für alle, die „Dance Called Memory“ nicht verpassen wollen
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