Es dauert keine Minute – eigentlich eher nur ein paar Sekunden – bis klar ist: „Death Cults“ ist kein Song, sondern ein akustisches Portal mit eingebautem Räucherstäbchenfilter. ‘Dead Can Dance’ drücken hier nicht einfach nur auf 'Play', sie öffnen gefühlt ein Dimensions-Tor irgendwo zwischen Tempelhalle, Wüstenwind und Gänsehaut. Das Ding schleicht sich nicht an, es schreitet würdevoll herein, wirft mit Hall um sich und setzt sich dann einfach mitten ins Wohnzimmer, als wäre es schon immer da gewesen. Nebenbei hören? Viel Glück. Dieser Track will dich komplett vereinnahmen, dir kurz den Alltag ausreden und dich stattdessen in eine leicht überdrehte, mystisch flackernde Klangzeremonie ziehen. Willkommen zurück im wohl elegantesten Ausnahmezustand der Musikgeschichte.
Während draußen Comebacks - gefühlt im Wochentakt - verkündet werden, wählen ‘Dead Can Dance’ einen deutlich eigensinnigeren Weg zurück ins Rampenlicht. Mit „Death Cults“ erscheint nicht nur ein neuer Track, sondern ein weiteres Kapitel eines Release-Konzepts, das sich bewusst jeder klassischen Albumlogik entzieht – und gleichzeitig das erste wirklich greifbare neue Material der Band seit rund fünf Jahren liefert. Nach dem Auftakt „Our Day Will Come“ am 20. März 2026, das mit politischem Unterton überraschte und dem eher rätselhaften „Mnemosyne“-Release Anfang April, steht „Death Cults“ nun als zweite klare Songveröffentlichung dieser Serie im Raum. Veröffentlicht wurde das Stück am 17. April 2026 exklusiv nund klar über Bandcamp, begleitet von einem digitalen PDF mit Lyrics und Artwork aus der Feder von Brendan Perry. Statt Labelkampagne und Pressedruck setzt die Band damit auf eine fast schon intime Direktverbindung zu ihren Hörer*innen – monatlich, reduziert, kontrolliert.
Klanglich wirkt „Death Cults“ wie eine langsame Beschwörung: tief vibrierende Drones, archaische Percussion und darüber Perrys Stimme, die mehr predigt als singt. Der Mix im griechischen Studio verleiht dem Ganzen eine fast greifbare Räumlichkeit – als würde der Track nicht aus Lautsprechern kommen, sondern aus einem steinernen Ritualraum selbst. Und dann ist da noch die große Leerstelle: Lisa Gerrard. Offizielle Angaben zu ihrer Beteiligung fehlen weiterhin komplett. Zwar wird ‘Dead Can Dance’ nach wie vor als gemeinsames Projekt geführt, doch aktuell deutet vieles darauf hin, dass Brendan Perry diese Phase maßgeblich steuert. Ob Gerrard im weiteren Verlauf der monatlichen Veröffentlichungen noch in Erscheinung tritt, bleibt offen – und sorgt ganz nebenbei für genau jene Spannung, die dieses ungewöhnliche Comeback zusätzlich auflädt. Ein neues Album ist bislang nicht angekündigt. Stattdessen entfaltet sich diese Rückkehr Stück für Stück, wie ein bewusst fragmentiertes Gesamtwerk, dessen Ziel noch im Nebel liegt. Sicher ist nur: ‘Dead Can Dance’ sind wieder aktiv – aber sie liefern keine Nostalgie, sondern ein kontrolliert inszeniertes Mysterium. Und „Death Cults“ ist jetzt erstmal genau der richtige Soundtrack dazu.
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