Es ist schon fast ironisch: Während Bands heute alles daransetzen, gehört zu werden, haben 'Dead Can Dance' ihre größte Wirkung immer dann entfaltet, wenn man ihnen wirklich zuhört. Seit ihrer Gründung in den frühen 80ern verweigern sich Lisa Gerrard und Brendan Perry konsequent der Idee, Musik müsse gefällig oder sofort zugänglich sein. Stattdessen liefern sie Klang gewordene Geduld – eine Kunstform, die sich Zeit nimmt und genau das auch vom Publikum verlangt. „Our Day Will Come“ fügt sich nahtlos in diese Philosophie ein und wirkt gerade deshalb wie ein Gegenentwurf in einer Zeit, die für genau solche Momente kaum noch Raum lässt.
Mit „Our Day Will Come“, veröffentlicht am 20. März 2026, öffnen Dead Can Dance ihr nächstes Kapitel – und das nicht mit lautem Getöse, sondern mit einer Intensität, die sich langsam entfaltet und umso nachhaltiger wirkt. Das Stück ist ein ausgedehntes, bewusst entschleunigtes Klangritual: getragen von Brendan Perrys Stimme – tief, warm, fast bardisch – die dem Song eine erzählerische Gravitas verleiht, wie man sie heute nur noch selten hört. Darunter legen sich minimalistische, langsam pulsierende Klangflächen, vereinzelte Percussion-Impulse und eine Struktur, die sich eher entfaltet als zuspitzt. Ein Refrain? Tatsächlich vorhanden – wenn auch subtil eingebettet. Eingängigkeit? Überraschend ja. „Our Day Will Come“ entfaltet eine leise Zugänglichkeit, die sich nicht aufdrängt, sondern fast unbemerkt greift. Statt sofort zu zünden, wächst der Song mit jedem Durchlauf und entwickelt genau dadurch eine Sogwirkung, die sich erst im Nachhinein voll entfaltet.
Das begleitende Artwork verstärkt diesen Eindruck eindrucksvoll. Eine endlos wirkende Landschaft aus Grabsteinen zieht sich bis zum Horizont, darüber ein dramatisch aufgerissener Himmel, der zwischen Bedrohung und Hoffnung oszilliert. In der Mitte ein schmaler Pfad ins Licht – ein Motiv, das fast schon bewusst überhöht wirkt, aber gerade dadurch seine Wirkung entfaltet. Ein Bild, das nicht beruhigt, sondern beschäftigt. Und genau deshalb nachhallt. Inhaltlich ist „Our Day Will Come“ alles andere als neutral. Der Titel greift den irisch-republikanischen Slogan „Tiocfaidh ár lá“ auf und verknüpft ihn mit der aktuellen Situation in Palästina. Das ist keine beiläufige Referenz, sondern eine klare, bewusst gesetzte Position. Unterstützt wird diese Haltung durch eine konkrete Aktion: 50 Prozent der Einnahmen gehen an die Medical Aid for Palestinians, die medizinische Hilfe in Krisengebieten leisten.
Fast noch spannender ist der Schritt, der hinter diesem Release steht. 'Dead Can Dance' verabschieden sich bewusst von den großen Streaming-Plattformen. Spotify, Apple Music und Co. spielen für zukünftige Veröffentlichungen keine Rolle mehr – „Our Day Will Come“ ist aktuell nicht über klassische Streamingdienste verfügbar, sondern ausschließlich als Kauf-Download über Bandcamp sowie über das bandeigene Label Holy Tongue Records erhältlich. Ein Schritt, der künstlerische Kontrolle zurück in die eigenen Hände legt und die direkte Verbindung zum Publikum stärkt. Die Begründung ist ebenso deutlich wie konsequent: Kritik an der Ausbeutung von Künstlern, eine klare Absage an KI-generierte Musik und ein System, das Kreativität zunehmend nivelliert. Und es bleibt nicht bei diesem einen Release. 2026 wird zum Konzeptjahr: Monat für Monat neue Veröffentlichungen, jeweils ergänzt durch Artwork und Lyrics als digitales PDF. Eine Serie statt eines klassischen Albums – und vielleicht genau die richtige Antwort auf eine Gegenwart, die Musik allzu oft zur schnellen Nebensache degradiert.
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Zwischen Ewigkeit und Jetzt: Dead Can Dance veröffentlichen „Our Day Will Come“
Varmia - Lauks
Es gibt Bands, die spielen Black Metal – und es gibt 'Varmia'. Die Formation aus 'Olsztyn' in Polen bewegt sich seit ihrer Gründung durch 'Lasota' im Jahr 2016 irgendwo zwischen archaischem Ritual, kulturhistorischer Tiefenbohrung und der sehr konsequenten Entscheidung es wirklich niemandem zu leicht zu machen. Inspiriert von vorslawischen Einflüssen, dem Erbe der Region 'Warmia' und einer ordentlichen Portion polnischer Metal-DNA, haben sich 'Varmia' eine Klangwelt erschaffen, die mehr nach Erde, Rauch und Geschichte klingt als nach Studio, Preset und „passt schon“. Mit 'Lauks', erschienen am...