Moby - Future Quiet

Moby - Future Quiet

Manchmal reicht ein Blick auf das Cover, um zu wissen, wohin die Reise geht. Auf dem Artwork von 'Future Quiet' sitzt Moby selbst am Flügel. Man sieht ihn nur als dunkle Silhouette. Hinter ihm ein großes Fenster, draußen sattes Grün, weiches Tageslicht. Drinnen ist es schattig, fast still. Unten rechts steht klein und unscheinbar „moby – future quiet“. Kein großes Logo. Keine grellen Farben. Kein Spektakel. Auf den ersten Blick wirkt das Cover fast etwas langweilig. Aber je länger man es anschaut, desto stimmiger wird es. Die Dunkelheit im Raum steht für Rückzug. Das Licht draußen für Hoffnung oder vielleicht für die Welt, die weiterläuft. Moby sitzt dazwischen. Nicht im grellen Rampenlicht, sondern im Halbschatten. Genau so klingt auch das Album. Es will nicht blenden. Es will beruhigen.

'Moby' muss niemandem mehr etwas beweisen. Mit Alben wie 'Play' und '18' hat er elektronische Musik in die breite Öffentlichkeit getragen. Seine Songs liefen im Radio, in Clubs und in unzähligen Filmen und Serien. Als durch 'Stranger Things' plötzlich wieder alle über „When It’s Cold I’d Like To Die“ sprachen, merkte man: Dieser Mann ist längst Teil der Popgeschichte. Und genau deshalb kann er heute leise sein. Sehr leise. 'Future Quiet' ist sein inzwischen 23. Studioalbum. Es enthält 14 Tracks und läuft fast 90 Minuten. Das ist viel Zeit. Vor allem in einer Welt, in der Songs oft nur noch so lang sind wie ein Social-Media-Clip. Während viele Künstler versuchen, in 30 Sekunden alles zu liefern, macht Moby hier das Gegenteil. Er nimmt sich Raum. Er lässt Töne stehen. Er akzeptiert Stille.Toll!

Musikalisch ist das Album sehr stark reduziert. Meist hört man ein Klavier. Dazu kommen ruhige Synth-Flächen. Es gibt keine Beats, die antreiben. Keine Drops. Keine Refrains, die sofort hängen bleiben. Alles wirkt bewusst entschleunigt. Moby setzt auf einfache Akkorde. Genau das war schon immer seine Stärke. Er braucht keine komplizierten Strukturen, um Gefühle zu erzeugen. Besonders positiv sind die Stücke mit Gesang. 'When It's Cold I'd Like To Die (Ft. Jacob Lusk)' ist ein klarer Höhepunkt. Die Melodie ist schlicht, fast zerbrechlich. Aber sie trifft. Jacob Lusks Stimme bringt eine neue Tiefe in den Song. Auch 'On Air – Quiet Future (Ft. Serpentwithfeet)' und 'Estrella Del Mar (Ft. Elise Serenelle)' geben dem Album Wärme. Diese Stimmen wirken wie kleine Lichtquellen in einer eher kühlen Klangwelt.

Die instrumentalen Stücke sind dann noch reduzierter. In 'Tallinn' hört man zarte Streicher. In 'The Opposite Of Fear' löst sich die Musik fast im Raum auf. Das kann wunderschön sein. Es kann aber auch anstrengend werden. 90 Minuten in diesem Tempo verlangen Geduld. Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen. Nebenbei funktioniert dieses Album nicht. Wer dabei E-Mails schreibt, wird merken, dass die Musik an ihm vorbeizieht. Moby nennt Einflüsse wie 'Cocteau Twins', 'This Mortal Coil' sowie 'Brian Eno' und 'David Bowie'. Diese ruhige, schwebende Stimmung hört man deutlich. Das Album klingt weniger nach Club und mehr nach weiter Landschaft. Mehr nach Nebel als nach Neonlicht.

Was mich persönlich beschäftigt hat: Wir leben in einer Zeit, in der alles schneller wird. Nachrichten, Trends, Meinungen. Ständig ploppen neue Reize auf. Man scrollt, wischt, klickt. Kaum etwas bleibt lange. Und dann kommt ein Album wie 'Future Quiet' und sagt: Stopp. Setz dich hin. Hör zu. Atme. Man kann das pathetisch finden. Man kann auch schmunzeln und sagen: Der Mann hat gut reden. Er hat seine Karriere gemacht, seine Klassiker geschrieben, seine Schäfchen im Trockenen. Natürlich kann er jetzt meditativ werden. Und ja, vielleicht ist ein bisschen Altersweisheit dabei. Aber das macht es nicht weniger ehrlich. Es gibt Momente auf diesem Album, in denen ich mir mehr Dynamik wünsche. Einen kleinen Bruch. Eine überraschende Wendung. Manchmal bleibt die Musik sehr lange in derselben Stimmung. Doch vielleicht ist genau das der Punkt. Dieses Album will nicht schockieren. Es will beruhigen.

Und das Cover bringt es dann - wie schon gesagt - ziemlich auf den Punkt. Keine große Show. Kein visuelles Feuerwerk. Nur ein Mann am Klavier. Im Halbdunkel. Zwischen Innenwelt und Außenwelt. Es ist kein Cover, das laut „Kauf mich!“ ruft. Es ist eines, das leise sagt: „Wenn du Zeit hast, setz dich dazu.“ 'Future Quiet' ist kein Album für jede Situation. Es ist nicht für die Party. Sicher auch nicht für das Fitnessstudio. Nicht für den schnellen Kick. Aber es ist ein Album für stille Abende, für Kopfhörer-Momente, für Zeiten, in denen man die Welt kurz ausblenden will. Für mich ist es kein perfektes Meisterwerk. Es hat durchaus Längen. Es fordert auch Geduld. Aber es ist konsequent. Und es zeigt einen Künstler, der sich traut, langsamer zu werden, während alles um ihn herum beschleunigt. Vielleicht ist genau das heute die radikalste Entscheidung von allen.

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